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Donnerstag, den 18. Oktober 2018 um 14:43 Uhr

Freifunk - Kostenloses WLAN für alle und überall

Freifunk stellt kostenlose Internet-Zugänge über ein unverschlüsseltes WLAN zur Verfügung. Jeder kann mitmachen und dazu beitragen. Ich habe es ausprobiert. Freifunk verfolgt einen ideellen Zweck. Überall sollen kostenlose Internetzugänge für einen freien Informationszugang vorhanden sein. Gäste können bei mir mit ihren inzwischen allgegenwärtigen Smartphones im gesamten Haus und im Garten ohne Passwort-Nachfrage in das Internet gelangen. Und Nachbarn kommen auch in den Genuss eines zusätzlichen Internetzugangs, worüber sie dankbar sind, sollte ihr eigenes Internet ausgefallen sein. Aber der Zugang zu meinem privaten Heim-Netz ist auf jeden Fall gesperrt. Freifunk arbeitet zur Sicherheit mit einem VPN-Tunnel für den Internetzugang.


Es gelingt mit dem Freifunk-Zugang sogar das Telefonieren über das Internet (VoIP) z.B. mit Sipgate oder Iptel, nachdem der STUN-Server in der App CSipSimple deaktiviert wurde. Leider konnte ich mit Ekiga keine Verbindung aufbauen. Durch Freifunk wird kostenloses Telefonieren im Prinzip von und nach jeder Ecke der Welt möglich. Messenger-Apps wie Skype, Wire, Telegram, Whatsapp, Signal u.s.w. funktionieren ebenfalls. Das Surfen im Web und E-Mail-Dienste funktionieren selbstredend auch.
 


Als Freifunk-Router kommt in meinem Fall die Hardware des handelsüblichen Routers TP-LINK TL-WR1043N zum Einsatz. Sie muss noch mit der passenden und kostenlosen Freifunk-Firmware geflasht werden, was kinderleicht ist. Auf die passende Version des Routers ist zu achten. Ein mechanischer Eingriff in den Router ist nicht notwendig.


Mesch-Netze (vermaschte Netze): Freifunk-Router haben durch ihre spezielle Firmware die besondere Eigenschaft sich zu Mesh-Netzen automatisch untereinander zu verbinden, um die Datenpakete von Router zu Router weiterzuleiten. Dies geschieht über WLAN auf einem einzigen festgelegten Kanal, meistens auf dem Kanal 6 des 2,4 GHz-Bandes im Übertragungs-Standard 802.11 b/g und damit relativ schmalbandig im Vergleich zum schnelleren 802.11 n. Die Auswahl der günstigsten Verbindung erfolgt ebenfalls automatisch. Kommt ein neuer Router hinzu oder fällt ein anderer aus, organisiert sich das Mesh-Netz selbsttätig neu. Dies geschieht ständig im Takt von wenigen Sekunden oder Minuten. Der Nutzer merkt nicht den Verbindungsaufbau beim Wechsel von einem Router zu einem anderen.

Da alle Router des Mesh-Netzes auf dem gleichen Kanal mit der gleichen SSID (Senderkennung) senden und empfangen, sind in der Praxis nur Ketten von maximal 5 Routern sinnvoll. Andernfalls wird die Übertragungsgeschwindigkeit zu langsam, denn sämtliche Daten des Übertragungsweges müssen sich einen einzigen Kanal teilen. In einer Kette halbiert sich grob gerechnet die maximale Datenrate nach jeder Weiterleitung durch einen Router. Liefert z.B. der erste Router 10 MBit/s, sind es beim zweiten 5 und beim dritten nur noch 2,5 MBit/s. Für zügiges Surfen im Web und E-Mail-Verkehr würde dies noch reichen. Durch Mehrfachbelegungen der WLAN-Kanäle durch andere Nutzer verringert sich zusätzlich die Geschwindigkeit und Reichweite. Wer ein Freifunk-Kanal entdeckt, sollte seinen Kanal nicht belegen. 

Mindestens ein Router eines Mesh-Netzes muss eine direkte Anbindung zum Internet besitzen. Fällt ein Internetzugang aus, springt ein anderer Router mit seinem Internetzugang ein. Je mehr Router eine direkte Internetanbindung besitzen, desto stabiler läuft das Mesh-Netz. Im günstigsten Fall sollte das Mesch-Netz von unterschiedlichen Internet-Providern gespeist werden, um beim Ausfall eines Providers die Verfügbarkeit des Internets zu verbessern.

Ein Nachteil hat das vermaschte Freifunk-Netz. Der Freifunk-Router erzeugt für seine Selbstorganisation des Mesh-Netzes einen Datenstrom von 5 bis 6 Giga-Byte pro Tag! Sein Betrieb setzt also eine Flatrate voraus.

VPN-Verbindung: Der obligatorische VPN-Tunnel der Freifunk-Router stellt sicher, dass das Freifunk-Netz vom eigenen privaten Netz getrennt ist, damit niemand über den Freifunk-Zugang Zugriff auf das eigene private Netz hat. Zudem erfolgt das Surfen im VPN-Tunnel anonym. Offengelegt werden neben den technischen Parametern nur die Daten über die Auslastung des Routers und die Anzahl der Nutzer ( siehe zum Beispiel: 

 https://map.ffrn.de/#/de/map/b04e26b09a9c und

 http://stats.ffrn ... ffrn-sonstorp-01 ... =1 ).

Wer eine Verbindung über den Router nutzt, lässt sich allerdings nicht nachverfolgen. Wir werden also niemals erfahren, welcher Nachbar gerade auf unserem Freifunk-Router ist und was er im Internet vornimmt.


Nutzungsbedingungen des Internet-Providers: Es ist zu beachten, ob der verwendete Internet-Provider laut seiner Vertragsbedingungen die Nutzung von Dritten außerhalb des eigenen Haushalts gestattet. In der Praxis wird der gerichtsfeste Nachweis einer Vertragsverletzung kaum gelingen. Funkwellen haben die physikalische Eigenschaft sich über die Grenzen der eigenen Wohnung oder des eignenen Grundstücks zu verbreiten. Ein Internet-Provider möchte es zudem vermeiden seine bestehenden und potenziellen Kunden durch verunsichernde Rechtsauslegungen zu verlieren. Der Image-Schaden wäre erheblich.

Keinesfalls dürfen jedoch Geld oder andere Gegenleistungen für den Zugang über Freifunk verlangt werden. Dies wäre zudem ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen von Freifunk.
 


Mein Freifunk-Router ist im Umkreis von 70 bis 100 Meter zu empfangen. Der Router hängt in 7 bis 8 Meter Höhe an einem Antennenmast und ist durch ein zusätzliches Gehäuse vor der Witterung geschützt. Ganz oben sitzt die UHF-Antenne für den TV-Empfang und darunter eine Yagi für den UKW-Rundfunk. Der Mast hat eine Höhe von 4 Metern. Die Mast-Befestigung am Giebel ist für Schweden typisch.


Regionale Freifunk-Vereine: In Deutschland gibt es viele regionale Freifunk-Vereine, die ihre Firmware kostenlos zur Verfügung stellen. Man sucht sich die Firmware vom Verein seiner Region aus, denn nur die Router mit der Firmware des gleichen Vereins sind in der Lage untereinander ein Mesh-Netz zu organisieren (Liste der Vereine in Deutschland:  https://wiki.freifunk.net/Vereine ).


So gelingt in der Praxis der Einstieg in den Freifunk: Man besucht die Seite des nächstgelegenen Freifunk-Vereins und informiert sich dort darüber, welche Router der Verein für einen stabilen Betrieb empfiehlt. Nun sucht man im Internet ebenfalls nach einem günstigen Angebot des in Frage kommenden Routers. Dabei kommt es auch darauf an, dass die Freifunk-Firmware auch die entsprechende Version des Routers unterstützt. Man muss kein Mitglied in einem Freifunk-Verein sein.


Rückseite des Routers TL-WR1043N. Nach dem Flashen ist der Router über den blauen WAN-Eingang mit dem hauseigenen Netzwerk zu verbinden. Oder der Router holt sich in einem Mesh-Netzwerk den Internetzugang über einen anderen Freifunk-Router in Reichweite.


Natürlich konnte ich es nicht lassen den Router aufzuschrauben. Nach dem Entfernen des schicken Deckels kommt die Leiterplatte zum Vorschein. Das dünne Koax-Kabel für die mittlere Antenne hatte ich schon mal aufgetrennt - dort wo der grüne Schrumpfschlauch zu sehen ist. Eigentich ist das Pfusch bei 2,4 GHz. Geht aber trotzdem. Tipp: Niemals RG58-Koax-Kabel direkt auf die Leiterplatte löten, weil dann die sehr dünnen Leiterbahnen abreißen können. Für die Reparatur ist dann eine Lupe und eine sehr ruhige Hand notwendig.


Freifunk ist in Schweden noch weitgehend unbekannt. Im weiten Umkreis meines Standortes ist kein einziger Freifunk-Router in Betrieb, mit dem er sich sich zu einem Mesh-Netz verbinden könnte. Deshalb war es für mich egal, für welchen Verein ich mich entschied. Meine Wahl traf auf den Verein Freifunk Rhein-Neckar, da mir die Gegend auf Grund meiner Verwandschaft bekannt ist. Auf der Seite des Freifunk Rhein-Neckar wurde unter anderem als Router der TP-LINK TL-WR1043N empfohlen. Die passende Firmware steht für die Versionen 1 bis 5 zur Verfügung. Den besagten Router bestellte ich bei Pollin. Zu meiner Erleichterung erhielt ich die Version 5. Hätte ich eine Version bekommen, die noch nicht unterstützt wird, kann man den Verein mit der Bitte kontaktieren eine passende Version zur Verfügung zu stellen. Ich habe dann die Firmware für genau meinen Router mit der passenden Version heruntergeladen und aufgespielt. Wie das im Detail geht, ist auf vielen Web-Seiten genau beschrieben. Nach dem erfolgten Aufspielen der Firmware muss man den Router noch im Netz einmalig anmelden. Dann geht es los. Im regulären Betrieb ist der Router über seine WAN-Buchse per LAN-Kabel mit dem Internet - also dem privat Heimnetz - zu verbinden. Die eine Seite des Netzwerk-Kabels kommt also in die WAN-Buchse des Freifunk-Routers, die andere Seite in einen der Ausgänge seines normalen Routers. Natürlich kann man auch einen Switch dazwischen schalten.

Besser geeignet für Freifunk wäre der TP-LINK TL-WR1043ND, da er dank seiner Antennenbuchsen das Austauschen der Antennen erlaubt. Es gibt für Bastler Umbausätze mit passenden RP-SMA-Buchsen und angelöteten dünnen Koaxialkabeln.

Die für den Freifunk geeigneten Router senden entweder im Frequenzbereich 5 GHz oder 2,4 GHz. Das hängt davon ab, ob der Router 5 GHz unterstützt und ob man überhaupt auf 5 GHz senden will. Auf 2,4 GHz sendet der Freifunk-Router des Freifunk-Rhein-Neckar immer auf dem Kanal 6 mit der Kennung (SSID) "freifunk-rhein-neckar.de". Der Zugang ist selbstverständlich unverschlüsselt. Ein Passwort ist für den Zugang also nicht notwendig und für ein offenes Netz selbstverständlich nicht erwünscht. Ändern lassen sich diese Einstellungen nicht. Dafür stellt der Freifunk-Verein einen kostenlosen VPN-Tunnel zur Verfügung. Diesen VPN-Tunnel sollte man auch nicht mit dem Download von großen Dateien oder Dauer-Fernsehen überlasten. Üblicherweise sind VPN-Tunnel kostenpflichtig oder durch Werbung finanziert.
 

Freifunk und Störerhaftung: Im Juli 2018 schaffte ein BGH-Urteil die Störerhaftung für WLAN-Betreiber im Prinzip ab. Zuvor hatte die Störerhaftung eine Verbreitung von WLAN-Hotspots in Deutschland erschwert. Freifunker fanden damals einen Ausweg und verhinderten mit einem VPN-Tunnel nach Schweden den Zugriff des deutschen Rechtssystems. Schweden kennt keine Störerhaftung. Die Lösung erhielt einen Bekanntheitsgrad  durch die Freifunk-Freedom-Fighter-Box, welche im Jahr 2012 der Verein Freie Netzwerke e.V. in Berlin kostenlos verteilte und einen Acces-Point mit einem VPN-Tunnel nach Schweden darstellt.

Ich bin zufällig genau den umgekehrten Weg gegangen und nutze gelegentlich dank des deutschen Freifunk in Schweden einen VPN-Tunnel nach Deutschland. Dadurch kann ich deutsche Programminhalte streamen, die auf Grund des Geoblocking im deutschen Ausland gesperrt sind. Umgekehrt sind mir mit dem Freifunkzugang ein Teil der schwedischen TV-Programminhalte versperrt.

 



Reichweite: Die Reichweite eines WLAN-Routers hängt von seinem Standort ab. Je höher er - oder besser gesagt seine Antenne - angebracht ist, desto besser lassen sich die Funkwellen abstrahlen. Noch mehr Reichweite bieten Antennen mit mehr Gewinn und eventuell einer Richtwirkung. Solche kann man kaufen oder selbst bauen. Anleitungen gibt es wieder im Internet. Router, die keine abnehmbaren Antennen besitzen, lassen sich nachrüsten, wenn keine Scheu vor dem Arbeiten mit dem Lötkolben besteht. Wegen der hohen Kabeldämpfungen ist es bei 2,4 GHz und 5 GHz problematisch lange Koax-Kabel zwischen der Antenne und dem Router zu verwenden. Oft ist der Verlust durch die Kabeldämpfung größer als der Vorteil durch einen erhöhten Antennenstandort. Je höher die Frequenz desto höher die Kabeldämpfung ( http://shelvin.de/kabeldaempfung-berechnen/ ).


Belegung des 2,4 GHz-Bandes 30 Meter von unserer Haustür. Besonders in Ballungszentren verringern Mehrfachbelegungen der WLAN-Kanäle die Reichweite und die Datenübertragungsrate von Freifunk. Die Kanal-Belegungen und Signalstärken lassen sich mit Android-Apps wie z.B. "Wifi Analyzer" beurteilen. Die Signalstärke des Freifunk-Signals muss sich deutlich, also mindestens um 10 dB,  von denen der anderen abheben, weshalb ein möglichst hoher Standort des Freifunk-Routers mit ungehinderter Abstrahlung wichtig ist.

Die Lösung bedeutet meisens den gesamten Router mit seinen Antennen an eine möglichst hoch gelegenen Antennenmast über Dach anzubringen. Doch dann muss der Router in einem wetterfesten Gehäuse untergebracht sein, das natürlich nicht aus Metall bestehen darf, wenn die Antennen im Gehäuse angebracht sind. Ein weiteres Problem ist, dass die Elektronik des Routers laut Herstellerangaben meistens nur zwischen 0 und 40 °C garantiert funktioniert. Bei Frost funktioniert ein Router, der immer durchläuft, trotzdem immer noch, da die Eigenerwärmung der Elektronik eine willkommene Heizung darstellt. Bis jetzt hat mein Router den ersten Nachfrost mit -7 °C im Oktober überstanden. Ein größeres Poblem ist die Hitze, da durch die Sonneneinstrahlung sich die Luft im geschlossenen Gehäuse durch den Treibhauseffekt schnell aufheizen kann und zum Ausfall der Elektronik führen kann. Wer seine Gehäuse selbst baut, muss noch bedenken, dass die meisten Kunststoffe durch die UV-Strahlung mit der Zeit spröde werden und Klebeband mit der Zeit zerbröselt.


WLAN-Frequenzen und ihre Eignung: Für WLAN stehen neben dem 2,4 GHz-Band noch das 5 GHz- und das 60 GHz-Band zur Verfügung. Für Freifunk ist das 5 GHz-Band ebenfalls interessant, da es nicht so überfüllt wie das 2,4 GHz-Band ist. Ansonsten sind die Ausbreitungsbedingungen ähnlich wie auf 2,4 GHz. Die Streckendämpfung ist auf 5 GHz etwas höher, dafür lassen sich durch die kürzere Wellenlänge Antennen mit scharfer Richtwirkung besser realisieren.

WLAN auf 2,4 GHz erstreckt sich in Europa von 2399,5 bis 2484,5 MHz. Das 13 cm-Amateurfunkband reicht von 2300 bis 2450 MHz. Eine Mikrowellenherd verwendet üblicherweise die Frequenz von 2,455 GHz. Auf dem ISM-Band von 2,4 bis 2,5 GHz tummeln sich eine  Vielzahl von weiteren Funkanwendungen: Bluetooth, ANT, ZigBee, drahtlose Videoübertragungssysteme, Radar-Bewegungsmelder, Türschlösser und Modellbau-Fernsteuerungen.

Völlig ungeeignet für Freifunk ist das 60 GHz-Band. Bei dieser Frequenz erreicht Sauerstoff sein Absorptionsmaximum. Dadurch ist die Streckendämpfung in der Luft sehr hoch. Wände werden kaum durchdrungen. Dieses Band ermöglicht durch seine etwa 7 GHz breiten Kanäle sehr schnelle Datenübertragungen, wobei die Funkwellen das Zimmer praktisch nicht verlassen, was Störungen durch die Nachbarschaft verhindert. Aus diesem Grunde wurde dieser Frequenzbereich gewählt, um auf sehr kurzen Distanzen sehr schnelle Datenübertragungsraten zu ermöglichen, die sonst nur mit dem entsprechenden "Kabelsalat" möglich wären. ( mehr unter https://www.elektronik-kompendium.de/ ... net/1712061.htm ).


 

Mein Router hat mehrere Antennen. Was nun? Der Freifunk-Router sucht sich immer jene Antenne automatisch aus, welche die beste Verbindung gewährleistet. Dies eröffnet die Möglichkeit für interessante Antennen-Experimente. Hat der Router drei Antennenausgänge, können diese für drei Quads genutzt werden, welche ein gleichseitiges Dreieck bilden, um eine gleichmäßige Abstrahlung in allen Richtungen anzustreben.
 

Selbstbau eines wetterfesten Gehäuses: Für Experimentierzwecke habe ich mich durchgerungen ein wetterfestes Gehäuse selbst zu bauen. Es besteht aus zwei abgeschnittenen Kanistern aus Polyethylen (PE), die ich ineinandergeschoben hatte. PE ist relativ gut beständig gegen UV-Strahlung. Mit der Zeit vergilbt es und wird etwas spröder. Es fanden Kanister Verwendung, in denen frostsichere Scheibenreinigungsflüssigkeit angeboten wird. Dank der frostigen schwedischen Winter hatte ich noch jede Menge solcher leeren Kanister übrig.
 

Wohlgemerkt handelt es sich bei meinem einigermaßen wetterfesten Gehäuse um eine Bastellösung, die irgendwann das Zeitliche segnen wird. Niemand hat bei einem Ausfall einen Anspruch auf einen Freifunk-Zugang. Freifunk ist unentgeltlich, freiwillig und unverbindlich.


Leider war der Router etwas zu groß für die Kanisterlösung. Ich musste deshalb das Gehäuse des Routers rechts und links kürzen. Da deshalb der Router für diese Arbeit bereits demontiert war, entschloss ich mich für das Anbringen einer Richtantenne. Weiterhin musste noch ein Verlängerungskabel zwischen dem Netzteil und dem Router hergestellt werden. Der Router hängt jetzt 2 Meter über dem First an einem Antennenmast und damit 7 bis 8 Meter über Grund. Nachts leuchten seine grünen LEDs, die durch das milchige Kunststoff schimmern. Die Reichweite des WLAN im 2,4 GHz-Band beträgt 70 bis 100 Meter. Obwohl unser Haus ein Blechdach besitzt, ist der Empfang dennoch im Haus möglich. Selbst im Keller, der durch zwei Holzdecken und ein Blechdach vom Router getrennt ist, ist der Empfang noch sehr gut möglich.

Zu beachten  sind zudem die rechtlichen Vorschriften des jeweiligen Landes, wenn Antennen mit mehr Gewinn zum Einsatz kommen.


Da wird nicht lange gefackelt. Das Gehäuse des Routers ist zu breit für das wetterfeste Gehäuse und muss gekürzt werden. 


Die mittlere Antenne wurde gegen eine Eigenbau-Biquad mit Richtwirkung ausgetauscht.


Der Router ist provisorisch im wetterfesten Gehäuse eingesteckt, das aus zwei abgeschnittenen und ineinander gesteckten Kunststoffkanistern besteht.


Letzter Funktionstest bevor das Gebilde an den Antennenmast kommt. Das graue Klebeband zerfällt übrigens nach ein paar Jahren an der Sonne. Es hält hier nur eine zusätzliche Kunststoffschale zur Sicherheit fest. Wenn diese schwarze Kappe wegfliegt, schützt das Gehäuse immer noch vor Regen und Spritzwasser.


Der Router mit seinen Zuleitungen (8 Meter Patch-Kabel und 8 Meter Stromversorgungskabel zwischen Steckernetzteil und Router) ist bereit für den Aufstieg auf den Mast. Die Kabel benötigen unbedingt eine Zugentlastung im Gehäuse, wozu Kabelbinder dienen.


Freifunk in Schweden: In Schweden gibt es meines Wissens keine Freifunk-Vereine mit Ausnahme von Malmö. Dort ist der Freifunk-Verein Pjodd aktiv, welcher eine adaptierte Freifunk-Firmware aus Deutschland verwendet. Pjodd bedeutet  "kleiner Vogel" auf Skånska, dem Dialekt, der im südlichsten Teil von Schweden verbreitet ist. Pjodd verkauft vorwiegend vorkonfigurierte Router zum Selbstkostenpreis, um ihr Freifunk-Netz auszubauen. Pjodd bietet auch solarbetriebene Freifunkrouter an, um sie auf den Dächern der Plattenbausiedlungen zu installieren (siehe das letzte Bild auf https://wiki.pjodd.se/mediawiki/index.php/Bygg ... _n%C3%A4t ). Pjodd, als gemeinütziger Verein am 18. Mai 2017 gegründet, möchte vor allen Dingen den ärmeren Bevölkerungsanteilen einen kostenlosen Internetzugang zur Verfügung stellen. Pjodd versucht sich durch Fördermittel (siehe z.B. Internetfonden) zu finanzieren. Malmö ist eine Stadt mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Problemen. Auffällig viele Einwohner leben von Sozialhilfe oder sind arbeitslos. Malmö ist auf kommunale Ausgleichszahlungen angewiesen, da die eigenen Steuereinnahmen nicht ausreichend sind.

WLAN-Hotspots sind in Schweden weit verbreitet. Sie sind in öffentlichen Einrichtungen, Krankenhäusern, Polikliniken, Supermärkten und Einkaufszentren inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Ähnliche Verhältnisse herrschen zum Beispiel auch in Estland.


Alternativen zum Freifunk: Möchte man nur einen vom privaten Netz getrennten Gastzugang bereitstellen, gibt es Alternativen, die ohne den Overhead von 5 bis 6 MByte pro Tag auskommen. Die meisten Router stellen einen Gastzugang per WLAN zur Verfügung, der keinen Zugriff auf das Heimnetz zulässt. Allerdings fehlt dabei die kostenlose Sicherheit eines VPN-Tunnels, welcher Freifunk kostenlos zur Verfügung stellt. Zudem möchte man zur Reichweitenerhöhung nicht seinen Hauptrouter am Antennenmast befestigen. Besser ist es eine Fritz!Box als kaskadierten Router zu konfigurieren und diesen auf den Mast zu installieren. Auf das Netz des Hauptrouters ist der Zugriff dann vom kaskadierten Router nicht möglich. Der Zugriff auf das Internet ist mit Einschränkungen behaftet. Inzwischen sind übrigens immer mehr Router von Fritz!Box für Mesh-Netze geeignet. Übrigens bietet der Handel für private Heimnetze Komplettlösungen aus mehreren Geräten an, die ein Mesh-System aufbauen.


Amateurfunk und Freifunk: Was ähnlich klingt hat unterschiedliche Zielsetzungen. Im Amateurfunk existiert das Hamnet. Es ist ein geschlossenes IP-Netzwerk und stellt vereinfacht gesagt ein Intranet nur für Funkamateure dar. Dabei liegt der Schwerpunkt auf die Weiterbildung und dem anspruchsvollen technischen Experiment. Es spricht allerdings nichts dagegen, wenn sich Funkamateure auch für Freifunk einsetzen würden. Gleichzeitig können Funkamateure ihre Erfahrungen aus dem 13 cm-Amateurfunkband einbringen, das sich mit dem 2,4 GHz-WLAN überschneidet. Mit ihren hohen Antennenmasten stehen Funkamateuren ideale Standorte für Freifunk-Router zur Verfügung. Die Investitionskosten von etwa 40 Euro sind im Vergleich zu den Kosten einer Amateurfunkstation vernachlässigbar. Eventuell müssen sie noch nicht einmal ihren eigenen Internetanschluss zur Verfügung stellen, wenn sich ein anderer Freifunk-Router in Reichweite befindet. Verbraucht ein Router etwa 7 Watt, würde der Stromverbrauch pro Jahr etwa bei 60 bis 70 kWh liegen. Durch diesen Dienst für die Allgemeinheit würden Funkamateure im Sinne einer Öffentlichkeitsarbeit die Tätigkeit des Amateurfunks aufwerten und selbst noch in den Genuss einer weiteren Internetanbindung zur Erhöhung der Verfügbarkeit gelangen.

Konflikte wie unter "Stress mit Amateurfunknachbar wegen Freifunk" beschrieben, entstehen durch beiderseitige Unwissenheit und wären vermeidbar. Im vorliegenden Fall betreibt der Freifunker eine Powerline-Verbindung über das Stromnetz, um seinen Freifunk-Router als Knoten auf dem Dachboden mit dem Internet zu verbinden. Powerline, bei dem die Aussendung auf den Amateurfunkbändern nicht unterdrückt ist, stört jedoch erheblich den Kurzwellenempfang des Funkamateurs in der Nachbarschaft, was offenbar dem Freifunker nicht bekannt war. Kurzwelle erstreckt sich von 3 bis 30 MHz und erlaubt weltweite Kontakte durch Reflexionen der Funkwellen an der Ionosphäre. Der Funkamateur vermutet jedoch fälschlicherweise der Freifunk selbst würde seinen Amateurfunkbetrieb stören. Der Witz der Geschichte ist, dass die Konfliktlösung einen Synergieeffekt zum Vorteil beider bedeuten würde: Der Freifunker verzichtet auf die störende Powerline-Verbindung und betreibt zukünftig am Fenster seinen Freifunk-Router, falls er kein LAN-Kabel über mehrere Stockwerke verlegen möchte. Die Reichweite seines Freifunk-Routers würde jedenfalls sicherlich ausreichen, um einen zweiten Freifunk-Router am Antennenmast des nachbarlichen Funkamateurs mit dem Internet zu versorgen. Niemand wird dadurch gestört und die Reichweite des Freifunks hätte sich erheblich vergrößert. Sollten eventuell die als Steckernetzteile ausgeführten Schaltnetzteile den Funkempfang stören, sollte ein halbwegs sachkundiger Funkamateur selbst in der Lage sein die Störquellen aufzuspüren und zu entstören. Diese Tätigkeit gehört eigentlich zum Selbstverständnis des Funkamateurs.

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 27. Oktober 2018 um 18:22 Uhr
 

3. Februar 2017

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