| Die Technik des mechanischen Fernschreibers und seine historische Bedeutung |
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| Freitag, den 26. Juni 2009 um 18:44 Uhr |
Die Technik des mechanischen Fernschreibers und seine historische Bedeutung Noch Anfang der achtziger Jahre verwendeten Funkamateure mechanische Fernschreiber, um mit deren Hilfe Funkfernschreiben (RTTY) zu betreiben. Danach verschwanden die laut klappernden Geräte fast vollständig aus den Shacks. Was früher komplizierte Mechanik und aufwendig gebaute Konverter leisten mussten, übernehmen nun immer häufiger PC-Programme für die Soundkarte, die keinerle zusätzliche Hardware mehr benötigen. Einzig geblieben ist der Baudot-Code, welcher nach wie vor noch zur Zeichenübertragung genutzt wird. Als Rückblick seien deshalb die nachfolgenden Erläuterungen über den mechanischen Fernschreiber zu verstehen. ![]() Grundlagen: Ein elektrischer Strom kann auf verschiedene Weise Wirkungen hervorrufen, die für die menschlichen Sinnesorgane wahrnehmbar sind. Die wichtigsten sind die magnetischen Wirkungen. Sie äußern sich als Kräfte und lassen sich in vorausberechenbarer Weise beherrschen. Schickt man von einer Absendestelle über eine Leitung zu einer Empfangstelle einen Stromstoß, so kann dieser von langer oder kurzer Dauer sein. Darauf beruht der Morseapparat, bei dem die unterschiedlichen Stromstöße durch einen Elektromagneten und beweglichen Anker mit Schreibstift auf einem vorbeigezogenen Papierstreifen kurze oder lange Striche aufzeichnen. Die Kombination dieser Zeichen ergibt das auch heute noch gültige internationale Morsealphabet. Die Telegraphiegeschwindigkeit mit Handtastung kann kaum über 15 Wörter je Minute gesteigert werden. Das Bild links zeigt einen Siemens-Fernschreiber (Blattschreiber).
![]() Der Baudot-Code, ein Fünfschritt-Alphabet
Jeder Buchstabe wird in fünf gleichlange, kürzeste Schritte zerlegt, die aus STROM und STROMLOS oder aus STROM IN EINER und STROM IN GEGENRICHTUNG bestehen können. Vor diese fünf Schritte kommt der Anlaufschritt, nach ihnen der Sperrschritt. Jeder Buchstabe erfordert also 7 Schritte. Damit sind 32 Buchstaben und Zeichen möglich. Durch Umschaltung wie bei der Schreibmaschine erhält man 64 Zeichen. Ein Unterschied zwischen kleinen und großen Buchstaben wird nicht gemacht. ![]() Grundsätzliche Darstellung des Springschreiberverfahrens
Beim Empfänger steuern die ankommenden Stromstöße über Elektromagneten und 5 Nockenscheiben, die für jeden Buchstaben durch den Anlaufschritt in Bewegung gesetzt werden, die Stellung von wiederum 5 gleichartigen Schienen so, daß sie das Abbild der Stellung der Schienen beim Sender sind. Sier erlauben in dieser Stellung nur dem gewünschten Typenhebel den Antrieb durch einen Eletromotor zum Abdruck eines Buchstabens auf Papierblatt oder -streifen. Der Sperrschritt löst den Druckmechanismus aus und bereitet gleichzeitig den Empfänger für den nächsten Buchstaben vor.
Fernschreiber, Blattschreiber, Springschreiber: Blattschreiber und Springschreiber sind veraltetete Bezeichnungen für den Fernschreiber, welche bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gebräuchlich waren, um das Wort "fern" zu vermeiden. Ab wann der Fernschreiber auch "Ticker" genannt wurde (Die Nachrichten kommen über den Ticker), ist mir unbekannt. Fernschreibermuseum im Web: Unter http://www.teleprinter.net/german/ hat DF3OE ein umfassendes Online-Fernschreibermuseum mit zahlreichen Abbildungen von Fernschreibern aufgebaut. Unter http://www.technikum29.de ... faxtechnik.shtm gibt es Informationen zur Entwicklung der Fernschreibertechnik mit wunderschönen Exponaten. RTTY (Funkfernschreiben) ohne Soundkarte und ohne PC: Mark und Space (Strom und kein Strom) werden in der Funkübertragung durch zwei verschiedene Frequenzen dargestellt, deren Abstand Shift bezeichnet wird. Empfängt man einen solchen RTTY-Sender mit einem SSB-Empfänger, hört man zwei verschiedene Töne, welche sich sehr schnell abwechseln. Diese beiden Töne werden in einem Filterkonverter zwei schmalbandigen Filtern zugeführt und nach einer Gleichrichtung an einem Komparator weitergeleitet, welcher dann den Linienstrom im Wechsel der beiden Töne für den Fernschreiber ein- und auschaltet. Die Seite http://www.staff.uni-marburg.de/~naeser/rtty.htm gibt einen Einblick in den damaligen technischen Aufwand einer RTTY-Amateurfunkstation. Der damals weit verbreitete Filterkonverter nach einem Entwurf von DJ6HP arbeitete mit Operationsverstärkern und wurde sehr oft nachgebaut. Für die optimale Abstimmung von Mark und Space wurde in Filterkonvertern üblicherweise eine kleine Oszillographenröhre eingesetzt.
RTTY unter DOS: Dies wurde in den 90er Jahren z.B. mit dem DOS-Programm Hamcomm betrieben, welches auch die Betriebsart Amtor erlaubte. Dazu reichte ein 286er schon aus. Hamcomm kann auch die mit SYNOP verschlüsselten RTTY-Wetterberichte des DWD dekodieren. Ein Hamcomm-Modem wurde mit der seriellen Schnittstelle des DOS-PC verbunden und erzeugte die AFSK (die beiden Töne für Mark und Space) und übernahm die Dekodierung. RTTY mit der Soundkarte: Seit Ende der 90er Jahre wickeln Funkamateure das Funkfernschreiben (RTTY) mit Hilfe von zum Teil kostenlosen Programmen für die Soundkarte und den PC ab. Fldigi ist zum Beispiel ein kostenloses Programm für Windows, Ubuntu und vielen anderen Betriebssystemen, welches neben RTTY den Sende- und Empfangsbetrieb vieler anderer digitaler Betriebsarten beherrscht, welche wesentlich effektiver als RTTY arbeiten. Fernschreibsender im Internet: Da die RTTY-Pressesender auf Kurzwelle ausgestorben sind, gibt es nun ITTY (Teletype over the Internet), welcher als Nachrichtensender unter http://www.rtty.com/itty/index.htm als Live-Stream Pressemeldungen rund um die Uhr versendet. Nachfolgend der Audio-Stream (Windows Media Plug in erforderlich):
Werbefilm "Telegram for America": Dieser Film aus dem Jahre 1956 der Western Union ist auf http://www.archive.org/details/Telegram1956 zu finden und besitzt eine Dauer 19:30 Minuten. Dieses kleine filmische Werk zeigt in werbewirksamer Darstellung die damalige Bedeutung des Fernschreibers für die Presse, für Privatpersonen und für Unternehmen. Es kann nachfolgend auch bei Youtube betrachtet werden:
Werbefilm "Telegram for America" der Western Union aus dem Jahre 1956 über die damalige Bedeutung der Fernschreibübermittlung für die Versendung von Telegrammen. Dieser Film ist auch liegt auch unter http://www.archive.org/details/Telegram1956 zum Download bereit.
Wetterberichte in RTTY auf Lang- bis Kurzwelle empfangen: Dies hatte ich vor vielen Jahren unter http://www.jan ... /wrtty.htm beschrieben. Unter http://www.wet ... ml#RTTY gibt es die aktullen Frequenzen für Wetter-Fax und Wetter-RTTY des DWD. Die Wetterberichte werden oft als zeitsparender Spezialschlüssel (SYNOP) gesendet, welcher mit JvComm32 dekodiert werden kann. Dieses Programm für Windows und die Soundkarte eignet sich auch für den Empfang von Wetterfax-Bildern. Wetterberichte stellen die noch einzigen kommerziellen RTTY-Aussendungen dar, weil die Umstellung auf effektivere Verfahren angesichts der vielen RTTY-Empfänger zu aufwändig wäre.
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 17. Oktober 2011 um 11:07 Uhr |
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3. Dezember 2012
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Volker, SM5ZBS