Altes Batterieladegerät für Starterbatterien wiederbelebt und modifiziert

23. Februar 2021

Auf einem Flohmarkt in Norrköping entdeckte ich gestern ein altes Batterieladegerät (Modernum M104) für Autobatterien, das vielleicht aus den 1970er- oder 1980er Jahren stammte. Für 100 Schwedische Kronen – umgerechnet 10 Euro – durfte ich es mitnehmen.

Vorab eine Abschweifung zur Corona-Situation in Schweden: Zum Glück sind in Schweden alle Geschäfte geöffnet und uns bleibt ein Lockdown erspart. In den großräumigen Geschäften verteilen sich die wenigen Kunden und nur wenige tragen eine Maske. Bei einem Lockdown  hätte ich den Apparat in einem überdachten Flohmarkt, den man in Deutschland eher als Second-Hand-Laden bezeichnen würde, auch nicht erwerben können.

Nach dem Kauf sind wir dann in einer Gaststätte für einen Imbiss eingekehrt. Dort waren wir die einzigen Gäste. Für den Mittagstisch waren wir zu spät dran. Es gab noch Kaffee und belegte Brötchen. Eine Ansteckungsgefahr war so gut wie ausgeschlossen. Trotzdem war es ein Erlebnis, da wir seit Monaten nicht mehr in der Nachbarstadt Norrköping waren. Sie hat über 100.000 Einwohner und für uns ist sie eine Großstadt, wo was los ist. Mal sehen, wie wir uns in einer Woche fühlen.

Da wir wegen Corona nur noch selten unsere Auto benutzen, machen durch die langen Standzeiten auch die Batterien schlapp. Der Zweitwagen ist übrigens seit über einem halben Jahr abgemeldet, um Steuern und die Versicherung zu sparen. Der Wagen steht in der Garage. Wir brauchen ihn nicht. Deshalb war ich auch an dem alten Batterieladegerät interessiert.

Beim Laden von Autobatterien ist unbedingt darauf zu achten, dass weder ein Vertauschen der Pole geschieht noch ein Kurzschluss entsteht, der durch die extrem hohen Batterieströme, die dabei auftreten, verheerende Schäden verursachen kann!

Und nun die technische Seite des alten Batterieladers: Meistens stammen solche Geräte aus Haushaltsauflösungen. Äußerlich war das Gerät verdreckt. Das Gehäuse und die Kabel wurden mit Bremsenreiniger und Glasreiniger gereinigt. Der Lack des Gehäuses wurde mit Autolackreiniger (rubbing) aufpoliert. Die leicht angerosteten Krokodilklemmen polierte ich mit der rotierenden Stahlbürste. Ebenso behandelte ich die vier seitlichen Befestigungsschrauben des Blechdeckels. Kleine Details machen den Unterschied und bieten einen willkommenen Zeitvertreib während eines schwedischen Corona-Winters.   Abgesehen von den Gebrauchsspuren und ein paar Kratzern sah das Gerät danach wieder fast wie neu aus.

Flohmarktfund: Altes Batterieladegerät nach einer gründlichen Reinigung
Frontplatte im Stil der 1970er-Jahre mit schwedischer und finnischer Beschriftung

Der innere Aufbau ist für heutige Ansprüche vergleichsweise primitiv. Nach dem Abschrauben des Deckels waren im Wesentlichen ein dicker Trafo, zwei Gleichrichter, ein Amperemeter und zwei automatische Sicherungen zu erkennen. Ein Netzschalter und ein Schutzleiter für das lackierte Stahlblechgehäuse fehlten und waren auch nie vorgesehen. Auf der Primärseite des Trafos konnte ich auch keine Sicherung entdecken.

Innenansicht vor dem Umbau (siehe Text).
Innenansicht nach dem Umbau (siehe Text)

Ein Siebelko fehlte, weshalb die Ausgangsspannung zwischen 15 Volt und 5 Volt im Rhythmus der Netzfrequenz schwankte. Ich baute deshalb einen 4700 µF großen Elko ein, obwohl dies für das Aufladen von Autobatterien nicht notwendig ist. Nach der Glättung der Ausgangsspannung konnte ich die Ausgangsspannung mit dem Multimeter messen.

Ohne Last lieferte der Akkulader über 19 Volt, was mir zu viel war, obwohl die moderne Autoelektronik gegen Überspannung, Unterspannung und negativen und positiven Spannungspitzen sehr gut geschützt ist (siehe https://mk4-wiki.denkdose.de/artikel/kfz-bordnetz/start ). Zum Beispiel steigt die Bordspannung kurzzeitig auf über 35 Volt an, wenn man bei laufendem Motor die Batterie abklemmen würde (Load Dump), weshalb man dies nicht machen sollte. Aber die Bordelektronik muss dies und vieles mehr aushalten können.

Ohne Siebelko schwankte die Ausgangsspannung zwischen 5 und 15 Volt

Außerdem störte es mich, dass mit diesem Batterieladegerät eine volle Autobatterie mit über 16 Volt geladen wurde, was zur hörbaren Gasbildung führte und nicht zulässig ist:

Bei modernen und wartungsarmen 12-Volt-Blei-Kalzium-Batterien, die heutzutage üblich sind, führen Erhaltungsladespannungen unter 15 Volt zu keiner Überladung. Die Ladeerhaltungsspannung sollte zwischen 13 und 14,8 Volt gewählt werden ( Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ladegrafiken_Ca-Sb-Starterbatterie.jpg#mw-jump-to-license ).

Deshalb entschloss ich mich die Spannung des Batterieladers etwas zu reduzieren. In Serie zu den Batteriekabeln schaltete ich zwei entsprechend große Gleichrichterdioden, wodurch die Spannung um etwa 1,4 Volt reduzierte wurde. Außerdem konnte ich jetzt bedenkenlos die Batterie im ausgeschalteten Zustand des Ladegeräts anklemmen, da kein Strom von der Batterie in das Ladegerät fließen kann. Ein Stromausfall während des Ladens stellt dadurch ebenfalls kein Problem dar.

Das sich im Einsatz befindliche umgebaute Batterieladegerät mit seiner wunderschön hellen Hintergrundbeleuchtung für das Amperemeter.

Um die Leerlaufspannung weiter zu reduzieren, schloss ich intern eine 12-Volt-Glühbirne an. Diese Soffittenlampe (5 Watt) dient normalerweise für die Beleuchtung von Nummernschildern. Jetzt beleuchtet die Birne das Amperemeter von innen. Durch den zusätzlichen Strom reduzierte sich die Leerlaufspannung auf etwa 16 Volt. All diese Maßnahmen zusammen sorgen dafür, dass bei der Erhaltungsladung die Spannung bei maximal 14,5 Volt liegt, was zulässig und wünschenswert ist. Mehr steht unter https://de.wikipedia.org/wiki/Starterbatterie.

Für das Laden der Autobatterien muss man mit diesem antiquierten Gerät übrigens Geduld mitbringen. Mehr als 4 Ampere scheint der Apparat nicht zu liefern. Dafür ist er  kurzschlussfest, was ich versehentlich getestet hatte.

Der Batterielader in der Garage bei der Erhaltungsladung im Dauerbetrieb. Es fließen im Moment der Aufnahme etwa 2 Ampere in die Batterie bei 13,7 Volt. Die Batteriekabel zur im Auto eingebauten Batterie musste ich provisorisch verlängern. Vorsicht! Ein versehentlicher Kurzschluss der Autobatterie hat durch die extrem hohen Ströme, die dabei entstehen, verheerende Folgen!

Dank  der nachträglich eingebauten Schutzdioden lässt sich der Batterielader über eine Zeitschaltuhr betreiben, um für eine Erhaltungsladung den Batterielader nur einige Stunden am Tag zu betreiben:

In Serie zum Batteriekabel habe ich zwei Schutzdioden eingebaut. Fällt die Netzspannung aus, kann sich die Batterie nicht über den Batterielader entladen. Dadurch ist für die Erhaltungsladung der Betrieb über eine Zeitschaltuhr möglich. Somit hat das abgemeldete Auto immer eine voll geladene Batterie.