Oszilloskop GOULD 1421 – 20 MHz Digital Storage

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4. September 2023

Das Oszilloskop GOULD 1421 aus den Jahren 1984 oder 1985 ist wie ein analoges Zweikanal-Oszilloskop mit einer Grenzfrequenz von 20 MHz aufgebaut, das als Besonderheit einen digitalen Speicher besitzt, mit dem sich Schirmbilder festhalten lassen. Der Speicher dient zum Beispiel auch dazu langsame Vorgänge analysieren zu können.

Laut Recherchen wurde dieses Oszilloskop auch von Siemens als OSCILLAR D1007 vertrieben. Das Oszilloskop kam 1984 oder 1985 auf den Markt und kostete damals fast 7000,- Deutsche Mark + Mehrwertsteuer, was dem Preis eines Neuwagens der unteren Mittelklasse entsprach.

WARNUNG: Beim Arbeiten an diesem Oszilloskop ist zu beachten, dass auch nach dem Abschalten eine tödliche Anodenspannung von 2000 Volt vorhanden sein kann. Weiterhin wird das Gerät mit gefährlichen Spannungen von teils um die 200 Volt betrieben, die auch nach dem Abschalten ebenfalls noch eine Weile bestehen können. Nur wer sich auskennt, sollte Reparaturen an Oszilloskopen mit einer Kathodenstrahlröhre vornehmen.

User- and Servicemanual: Es ist auf https://www.ebaman.com/repository/ELECTRONICS/Test-Equipment/Gould/Gould-1421-User-and-Service-Manual/ erhältlich. Anmeldung/Registrierung erforderlich. Der Dienst ist kostenlos. Sollte die Seite nicht mehr existieren, bitte mich via E-Mail kontaktieren. Download jetzt auch hier (PDF in einer 36 MByte großen ZIP-Datei) möglich.

Beschreibung auf radiomuseum.org: https://www.radiomuseum.org/r/gould … oscilloscope .. .html

Ausführlicher Reparaturbericht und weitere Informationen: https://www.wumpus-gollum-forum.de/forum/thread.php?board=24&thread=216. In meinem Fall war Netzbrumm auf dem Schirmbild zu beobachten. Die Ursache war ein defekter Elko im Netzteil. Wie der Fehler eingegrenzt und gefunden werden konnte, ist dort ausführlich beschrieben.

Seitenansicht des GOULD 1421 nach der Reparatur und Reinigung
Front des GOULD 1421 nach der Reinigung.
“Verpixeltes” 1 MHz-Sinus-Signal aus dem Speicher als eingefrorenes Bild

Öffnen des Gehäuses: Die vier Schrauben auf der Rückseite lockern. Von der oberen Blechhaube die zwei Schrauben vorne links und rechts entfernen. Abdeckung nach hinten gegen die gelockerte Rückseite drücken und nach oben klappen. Das untere Blech geht ähnlich zu entfernen. Wenn bereits die obere Haube entfernt ist, muss nur noch die vorne in der Mitte befindliche Schraube entfernt werden. Bevor das Gerät in Betrieb genommen wird, ist die Rückseite wieder festzuschrauben, damit keine Kurzschlüsse an den zur Rückwand führenden Kabeln entstehen können.

Beim Wegklappen der Digitalplatine auf der Unterseite ist zu beachten, dass die Drähte, welche zur oberen Leiterplatte führen, nicht abreißen. Zum Wegklappen nur die beiden Blechschrauben oben rechts am Trafo entfernen und darunter den Kunststoffstift mit einer Zange zusammendrücken, damit der Stift sich von der Leiterplatte lösen lässt. Damit die Leiterplatte nicht wieder zuklappt, gibt es eine genoppte Kunststoffhalterung, dessen Strang man durch ein Loch auf der Leiterplatte zieht. Siehe Bild weiter unten im Text.

Obere Abdeckung entfernt. Zu Vorscheint kommt die Leiterplatte des Analogteils und das Netzteil
Die obere Leiterplatte
Auf der Unterseite kommt die Leiterplatte für die Speicherfunktion zum Vorschein.
Großansicht der digitalen Leiterplatte auf der Unterseite
Probelauf nach erfolgreicher Reparatur
Darstellung einer npn-Transistorausgangskennlinienschar im x-y-Betrieb, was beim GOULD 1421 ebenfalls mit Hilfe eines zusätzlichen Transistorkennlinienschreibers möglich ist. Der Speicherbetrieb ist im x-y-Modus leider nicht vorgesehen.

Brumm auf dem Bildschirm: Plötzlich bemerkte ich Störsignale mit einer Frequenz von 50 oder 100 Hz auf dem Bildschirm, die sich bei höherer Frequenz der Zeitbasis als eine Art Nebel bemerkbar machten. Außerdem war die Helligkeit des Strahls durch einen Netzbrumm beeinflusst. Ansonsten deutete alles darauf hin, dass die Gleichspannungswerte für den Betrieb der Kathodenstrahlröhre in Ordnung sein müssen. Deshalb vermutete ich als Ursache des Brumms einen defekten Elko, der wahrscheinlich zur Siebung dient oder im Netzteil. In alten Oszilloskopen sind defekte Elkos in den Netzteilen eine häufige Fehlerursache. Die Elkos trocknen aus und verlieren ihre Kapazität. Dies kann schleichend oder auch schlagartig passieren.

Fehlerbild bei hoher Ablenkfrequenz
Bei niedriger Ablenkfrequenz macht sich der Brumm durch Modulation der Strahlhelligkeit bemerkbar

Noch etwas ist mir aufgefallen. Im x-y-Betrieb ohne angeschlossene Quellen war statt eines Punktes ein Haken zu sehen, der sich durch geschicktes Verdrehen der x- und- y-Position zu einem Punkt in der Mitte des Schirm verkleinern ließ. Das scheint ein eindeutiges Zeichen dafür zu sein, dass der Elko C705 seine Kapazität verloren hat. C705 dient als Ladeelko für die Glättung der etwa +200 Volt.

Beim Öffnen des Geräts viel mir der Elko C705 (33 µF / 350 Volt) auf, bei dem eine braune Masse ausgetreten war. Nach dem Auslöten zeigte sich, dass er keine Kapazität mehr hatte. Nach dem Einbau eines Ersatzelkos zeigte sich der Fehler nicht mehr. Das scheint kein seltener Fehler zu sein, denn in einem englischen Forum ( https://www.vintage-radio.net/forum/showthread.php?t=61348 ) ist die gleiche Reparatur beschrieben.

Beim Einlöten sind die Drähte der Bauteile vor dem Verlöten zu kürzen. Knippst man sie nach dem Löten ab, entsteht durch das Abknipsen eine Stoßwelle, welche die Lötstelle beschädigen könnte, was sich unter Umständen nach Jahren als kalte Lötstelle oder Wackelkontakt bemerkbar machen könnte.

Der Elko C705 , der Ladeelko für die Erzeugung von etwa 200 Volt, hatte seine Kapazität vollständig verloren
Der defekte Elko ist ausgelötet. Rechts daneben das nagelneue Ersatzteil, das ich zufällig vorrätig hatte
Links der defekte Elko. Die braune Schicht ist ausgelaufenes und eingetrocknetes Elektrolyt. Rechts der neue Elko.
Nach dem Entfernen der beiden Blechschrauben am Trafo und dem Lösen der unteren rechten Plastikhalterung, lässt sich die Digitalplatine wegklappen.
Der defekt C705 ist bereits ausgelötet

Nach der erfolgreicher Reparatur kam die nächste böse Überraschung. Bei maximaler Geschwindigkeit der Strahlablenkung durch die Zeitbasis war der Rücklauf des Strahls sichtbar. Dieser Fehler ließ sich durch das Justieren des Trimmpotis R 713 für die Helligkeit einfach beseitigen.

Die Beseitigung des sichtbaren Strahlrücklaufs bei hohen Ablenkfrequenzen der Zeitbasis gelang durch vorsichtiges Verstellen des Trimmpotis R 713. VORSICHT HOCHSPANNUNG! Nur einen isolierten Schraubendreher für den Abgleich verwenden, da am Trimmpoti 2000 Volt gegenüber Masse anliegen können. Ich habe den R 713 so eingestellt, dass ein Schirmbild bei minimal aufgedrehter Helligkeit gerade noch sichtbar ist. Trotzdem ließ sich bei voll aufgedrehtem Helligkeitsregler noch die maximale Helligkeit erreichen.

Danach justierte ich laut des Service-Manuals noch einige Parameter, die sich altersbedingt verstellt hatten und reinigte schließlich die Front mit Wattestäbchen, einer Zahnbürste, einem Lappen, Glasreiniger und Gebissreiniger.

Es wäre sinnvoll im Laufe der Zeit alle Elkos zu tauschen. Allerdings sollte man davon Abstand nehmen alle auf einen Schlag zu wechseln. Wenn sich nämlich nach dieser “Elkokur” Fehler einschleichen, gestaltet sich die Fehlersuche schwierig. Besser ist es höchstens zwei auf einmal zu wechseln, um dann die Funktion zu überprüfen.

In den allermeisten Fällen lässt sich das GOULD 1421 wie ein ganz normales analoges Zwei-Kanal-Oszilloskop bedienen.

Mein Eindruck: Das GOULD 1421 vereint die Vorteile eines analogen Oszilloskops mit denen eines digitalen Speicheroszilloskops. Allerdings lässt sich die Speicherfähigkeit nicht mit heutigen DSOs vergleichen, die für ein paar 100 Euro wesentlich mehr bieten können. Zudem ist der Speicherbetrieb kompliziert zu bedienen. Man bedenke, dass dieses Stück Technikgeschichte fast 40 Jahre auf den Buckel hat und immer noch seinen Nutzen in der Werkstatt besitzt.

Ein altersbedingter Schwachpunkt scheinen üblicherweise die Elkos zu sein, die mit der Zeit ausfallen können oder ihre Kapazität verlieren. Dazu gehören auch die kleinen blauen Elkos 10 µF / 25 Volt, von denen einige im Gerät vorhanden sind. Offenbar haben sie bei mir noch durchgehalten. Von der Verschmutzung in seinem Innern her zu beurteilen, gehe ich von vielen Betriebsstunden aus. Der zweite Druckknopf von unten auf der rechten Seite zeigt bereits Verschleißerscheinungen.

Die Wärmeentwicklung ist beachtlich. Die Lüftungslöcher dürfen nicht abgedeckt sein und der Luftstrom muss ungehindert erfolgen können. Ich überlege mir fast schon einen PC-Lüfter nachträglich einzubauen, falls genügend Platz vorhanden ist.

Nachtrag: Einige Tage später entschloss ich mich neben dem bereits ersetzten C705 (33 µF / 350 Volt) auch C704 ( 1000 µF / 35 Volt ) und C509 und C513 (jeweils 100 µF / 16 Volt) zu tauschen, obwohl sie noch in Ordnung schienen. Danach gab es keine Anzeichen mehr für einen sichtbaren Strahlrücklauf und die Verzerrungen auf der linken Seite des Strahls Zeitablenkung waren auch verschwunden.

Getauschte Elkos: Ganz links: C509, unten links: C513, rechts oben: C705, rechts unten: C704.
Seriennummer
Aufkleber des Lieferanten
Rückseite mit zusätzlichen Anschlüssen
Fertig repariert, gereinigt, abgeglichen und hoffentlich noch viele Jahre einsatzfähig.