Ein uraltes Windows-Mobile-Smartphone als Wifi-Router

Wmwifirouter

 

Ein uraltes Windows-Mobile-5.0-Smartphone als Wifi-Router oder UMTS-Modem für den Internetzugang über das Mobilfunknetz

Am Beispiel des Smartphones HTC P3600 aus dem Jahr 2007 mit dem Betriebssystem Windows Mobile 5.0 zeigt dieser Artikel, wie man mit Hilfe von diesem Smartphone eine Internetverbindung für den Desktop-PC oder dem Notebook über das Mobilfunknetz eingerichtet werden kann. Diese Aufgabe leistet für das Smartphone das Programm WMWifiRouter, welches inzwischen kostenlos erhältlich ist. Dieser Artikel gibt auch einen Einblick über die mobile Internetverbindung ab etwa dem Jahr 2007. Trotzdem ist die Technik heute noch brauchbar. Es lohnt sich sein altes Smartphone wieder hervorzukramen.

Wo bekomme ich das WMWifiRouter? Es ist unter http://www.wmwifirouter.com/ erhältlich. Dort ist auch der Freischaltcode abzulesen. Das Programm war einst für etwa 20 Euro kostenpflichtig und ist ist nun kostenlos, da der Markt für das alte Windows Mobile praktisch nicht mehr existiert.


Startoberfläche des WMWifiRouter: Es bietet 5 verschiedene Zugangsvarianten.


Das Smartphone verbindet ein Notebook mit dem Internet aus dem Mobilfunknetz. Smartphone und Notebook sind in diesem Fall über Wlan verbunden.

Installation von WMWifiRouter auf das Smartphone: Wie üblich die CAB-Datei (hier z.B. WMWifiRouter.cab) mit Hilfe von ActiveSync (Erklärung hier) vom Desktop-PC per USB-Kabel auf das Windows-Mobile-Smartphone kopieren und dort vom Smartphone aus durch Anklicken ausführen. Nach der Installation den Freischaltcode ausführen. Die Bindestriche des Freischaltcodes müssen nicht eingetippt werden.

Mit dem WMWifiRouter einen Wlan-Internetzugang aufbauen: Auf dem Startbildschirm von WMWifiRouter erscheinen sechs Knöpfe. Wir wählen den Knopf links oben. Wenn wir diesen Anklicken verbindet sich das Smartphone mit dem Internetzugang des Mobilfunknetzes und übergibt sie an das Wlan des Smartphones. Die Initialisierung dauert etwa 30 Sekunden, bis WMWifiRouter einsatzbereit ist. Es ist empfehlenswert vor dem Ausführen des WMWifiRouter mit dem Mobilfunknetz verbunden zu sein.


Aufrufen, Initialisieren, Herunterfahren und Herstellung der ursprünglichen Wlan-Verbindung von WMWifiRouter. Das Programm ist nahezu selbsterklärend und bietet eine mitlaufende Hilfe an. Ich bitte die schlechte Bildqualität zu entschuldigen.

Wenn wir mit der Verbindung aufhören wollen, dann klicken wird den roten Knopf rechts unten an. Nun werden die ursprünglichen Wlan-Verbindungsdaten des Smartphones wieder hergestellt und alles ist wie vorher. Wir brauchen als keine Angst haben, dass wir nun unsere alte Wlan-Konfiguration wieder mühsam eintippen müssen. Das Programm war ein Verkaufsschlager und die Entwickler haben auch einiges dafür getan, dass es den Anwendern so leicht wie möglich gemacht wird.

Konfiguration des Wlan: Vor dem ersten Mal müssen wir aber das Wlan konfigurieren, was im WMWifiRouter unter Options -> Configuration -> Wifi-Network erfolgt. Dann einfach den Anweisungen folgen. Ich habe "Stored (Faster)" und "Adhoc (Advised)" gewählt. Dann müssen wir dem Wlan-Netz noch irgendeinen Namen vergeben, der sich von dem bereits vorhandenen Wlan-Netz unterscheidet. Nun folgt die Eingabe eines Verschlüsselungscodes, wenn man das will. Zum Testen habe ich darauf verzichtet und "None (For Testing)" gewählt. Danach wählen wir einen freien Wlan-Kanal. Bei mir war es Kanal 5, weil Kanal 1 bei mir in der Wohnung schon belegt ist. Und das war es auch schon.

Verbindung mit einem Windows-Rechner über Wlan aufbauen: Ich habe dies am Beispiel eines Notebook mit Windows XP ausprobiert. Für andere Windowsversionen gilt das gleiche. Bei den meisten Notebooks muss man nach dem Hochfahren Wlan per Knopfdruck aktivieren, was man gerne vergisst. Eine eventuelle Verbindung zum LAN-Kabel schalten wir ab und Wlan schalten wir ein. Nun müsste unter Drahtlosnetzwerke ein Adhoc-Netzwerk des Smartphones zu sehen sein, welches wir auswählen. Das war es dann schon auch und schon ist das Notebook über das Smartphone mit dem Internet verbunden.


Klickt man mit der rechten Maustaste auf die beiden unteren Verbindungen, erscheint ein Popup-Fenster, um diese zu konfigurieren oder zu- und auszuschalten. Für eine Wlan-Verbindung muss hier im Bild die drahtlose Verbindung eingeschaltet und die LAN-Verbindung ausgeschaltet werden. Das Beispiel stammt von Windows XP.


Unbedingt darauf achten, das "IP-Adresse automatisch beziehen" (dynamische IP) ausgewählt ist. Das war bei mir nicht der Fall und deshalb konnte keine Verbindung zum Internet aufgebaut werden.


Nur noch das untere Adhock-Netzwerk (hier wurde es SM5ZBS genannt) auswählen, um sich mit dem Wlan aus dem Smartphone zu verbinden.

Allerdings ging es so einfach bei mir nicht, denn mein Notebook war auf eine statische IP-Adresse eingestellt und dann konnte der Rechner die neue IP des neuen Wlans natürlich nicht finden. Das nachfolgende Bild, zeigt am Beispiel von XP, wie man auf dynamische IP umstellt.

Verbindung mit einem Tablet-PC über Wlan aufbauen: Bei einem Ipad soll dies ohne Probleme funktionieren. Bei einem Tablet-PC mit Android als Betriebssystem scheitert allerdings dieser Versuch. Es ist noch nicht einmal das Wlan-Netz des Smartphones zu sehen. Der Grund liegt darin, dass es sich um ein Adhoc-Netzwerk handelt, welche von Android nicht erkannt werden können.

Abhilfe kann das kostenlose App "ZT-180  Adhoc Switcher" leisten, welches Android befähigt Adhoc-Netze zu empfangen. Aber Vorsicht! Der Adhoc Switcher ist nicht für alle Wifi-Chipsätze geeignet und im schlimmsten Fall ist der Tablet-PC nicht mehr über Wlan erreichbar. Dann ist eine recht komplizierte Reparaturanleitung zu befolgen. Das ist also nur etwas für Mutige.

Eine andere Variante wäre ein Patch wie er unter http://www.arctablet.com … supplicant-file-tethering/ beschrieben ist. Dies ist allerdings eher etwas für die Leute, die bereits in den Tiefen von Linux abgetaucht sind.

Das Smartphone mit einem USB-Kabel verbinden: Eigentlich ist es besser auf die Wlan-Verbindung zu verzichten und stattdessen ein USB-Kabel zwischen Smartphone und Notebook (oder dem PC) einzusetzen. Das spart die Konfiguration des Wlan und ist abhörsicher. Schließlich saugt Wlan den Akku des Smartphones recht schnell leer. Mit einer USB-Kabel-Verindung und abgeschaltetem Wlan wird das Smartphone sogar noch über das Kabel geladen. Schließlich ist die USB-Verbindung etwas schneller als die Wlan-Verbindung.


Das alte Smartphone übernimmt die Aufgabe eines UMTS-Modems. Eine Verbindung über USB-Kabel ist stabiler, stromsparender, schneller und sicherer als eine Wlan-Verbindung.


Das USB-Kabel für die Datenübertragung: Links der Typ-A-Stecker zum PC oder Notebook, rechts der 4-polige Mini-B-Stecker für die älteren Smartphones (siehe USB-Stecker-Übersicht Wikipedia).


Das USB-Kabel erst verbinden, wenn "Waiting for connection" erscheint.


Verbindung zum Notebook hergestellt, was WMWifiRouter durch "Connected" bestätigt.

Um das Smartphone per USB mit dem Rechner zu verbinden, wählen wir den mittleren oberen Knopf im WMWifiRouter. An einem Notebook mit Windows XP habe ich das ausprobiert. Grundsätzlich ist das Kabel erst dann mit dem Notebook (oder PC) zu verbinden, wenn es "Waiting for connection" signalisiert. Bei mir kam dann allerdings gleich die Enttäuschung, weil dann mein Windows XP sich beschwerte, dass der Treiber "Generic RNDIS" fehlen würde. Diesen Treiber wird man im Internet vergebens suchen. Die Lösung ist ganz einfach. Wir müssen auf Windows XP vorher ActiveSync 4.5 installieren und vorher noch die WindowsXP-KB942288-v3-x86.exe. Dies ist unter PDAs für Anfänger beschrieben. Dort sind auch die Links angegeben. Bevor wir dann das Smartphone anschließen, müssen wir im Notebook alle Netzverbindungen (WLan und und Lan) abschalten und warten, bis WMWifiRouter "Waiting for connection" meldet, dann erst das USB-Kabel reinstecken und das neue USB-Gerät wird vom Notebook sofort erkannt. Wir sind dann im Internet.

Anschluss via USB-Kabel an einem Rechner mit Windows 7: Das geht denkbar einfach. Das Smartphone, das bereits "Waiting for connection" signalisiert, einfach mit einem USB-Kabel mit dem Windows 7-Rechner verbinden. Mehr ist nicht notwendig. Vorher hatte ich das Netzwerkkabel entfernt. Wenn es mit Windows 7 so einfach geht, dann wird es wahrscheinlich ähnlich einfach bei den Nachfolgerversionen sein. Ich bitte um Erfahrungsberichte.


Das Smartphone hat sich mit einem Windows 7-Rechner verbunden. Die LAN-Verbindung wurde von mir vorher deaktiviert. Es hätte aber gereicht einfach nur das Netzwerkkabel abzuziehen und das Smartphone per USB-Kabel mit dem Rechner zu verbinden.

Lubuntu: Die Verbindung via USB-Kabel zu einem alten 500-MHz-Notebook mit Lubuntu 10.04.4 LTS gelang problemlos ohne Installation zusätzlicher Treiber oder zusätzlicher Software. Auf Grund des viel zu langsamen Notebooks war das Surfen eine Zumutung. Über Wlan war keine Verbindung möglich und es wurde das Adhoc-Netzwerk auch nicht sichtbar.


Geglückte Verbindung zu einem Notebook mit Lubuntu 10.04.4 über das USB-Kabel.

Android: Mit Android habe ich WMWifiRouter noch nicht zum Funktionieren gebracht. Ich arbeite daran. Android erkennt das Smartphone auch am USB-Kabel nicht.

Der Mode "Wi-Fi to USB": Bei "Cellular to USB" verbindet sich das Notebook oder der PC mit dem Internet über das Mobilfunknetz. Bei "Wi-Fi to USB" wird die Verbindung mit einem Wlan-Netzwerk aufgebaut, das in der Regel unser eigenes ist. Das spart natürlich Kosten beim Surfen im Internet. Ansonsten gilt das bereits Beschriebene über die Verwendung eine USB-Kabel-Verbindung zwischen dem Smartphone und dem PC oder Notebook.


Mit "Wi-Fi to USB", was wir über den Button links unten aufrufen, verbindet sich der PC oder das Notebook mit dem in der Regel hauseigenen Wlan-Netz, wobei das Smartphone mit dem Rechner (PC, Notebook) per USB-Kabel verbunden ist.

Geschwindigkeitstest: Das alte HTC P3600 war mit 3G (UMTS) verbunden und schaffte im Download regelmäßig über 1 MBit/s auf einem alten 1,7-GHz-Notebook mit Windows XP. Mit solchen Geschwindigkeiten lässt sich einigermaßen flüssig im Netz surfen.


Über 1,3 Mbit/s im Download schaffte das betagte Equipment laut einem Geschwindigkeitstest.


Der Entwickler von MMWifiRouter, Werner van Alphen, erklärt die Marketing-Strategie seines sehr erfolgreichen Produkts, das nun kostenlos erhältlich ist.

Fazit: Es lohnt sich also auf Reisen und bei einen Netzausfall zur Sicherheit WMWifiRouter auf seinem alten Smartphone zu installieren, falls man noch kein modernes Android-Smartphone besitzt. Bei diesen geht das alles viel einfacher und schneller. Wer aber gerne mit alter Technik herumbastelt, kann aus den alten Windows-Mobile-Smartphones noch eine Menge sinnvoller Anwendungen herausholen. Die meisten Leute kommen aus dem Staunen nicht heraus, wenn sie sehen, was ein acht Jahre altes Smartphone bereits alles konnte. Nur das Surfen im Web geht direkt auf dem alten Smartphone viel zu langsam, weil dafür die meiste Rechenleistung benötigt wird. Es macht auf jeden Fall Spaß sich mit diesen Oldtimern des Mobilfunks zu beschäftigen.