Von Windows auf den Raspberry Pi zugreifen

5. Dezember 2021

Auf meinem Raspberry Pi betreibe ich einen kleinen SIP-Server mit Asterisk. Von Windows 10 aus möchte ich direkten Zugriff auf die Asterisk-Konsole und auf die Kommandozeilenebene (CLI) des Raspbian haben. Außerdem möchte ich zur Datensicherung und zu Konfigurationszwecken die Konfigurationsdateien von Windows aus sichern und verändern können. Dies erspart einen zweiten Bildschirm.

Alle Beispiele gehen davon aus, dass auf dem Raspberry das Betriebssystem Raspbian mit grafischer Oberfläche installiert ist. Die Bedienung von Windows aus geht ohne zusätzliche Programme für den  Raspberry Pi. Für den Windows-Rechner brauchen wir zwei bis drei weitere Programme. Wichtig ist, dass im Raspberry Pi der SSH-Zugang aktiviert ist und dem Raspberry eine statische IP zugewiesen ist. Außerdem muss der Zugriff auf die Root-Rechte des Raspberry möglich sein. Wie das alles geht, ist unter https://elektronikbasteln.pl7.de/asterisk-und-fail2ban-auf-dem-raspberry-pi am Beispiel einer Asterisk-Installation beschrieben.

SSH-Zugang für den Zugriff auf die Kommandozeilenebene mit PuTTY: Dafür kommt bei mir das beliebte PuTTY zum Einsatz. Vorher SSH im Raspberry aktivieren.

Aufruf der Raspberry-Pi-Konfiguration, um SSH zu aktivieren.
Oberfläche von PuTTY für den SSH-Zugriff auf den Raspberry Pi, der im Beispiel die lokale IP 192.168.111 besitzt.
CLI des Raspberry in einem Windowsfenster von PuTTY. Zu sehen ist der Aufruf der Asterisk-Konsole.

Dateizugriff über SFTP: Dazu verwende ich auf meinem Windows-Rechner FileZilla Client. Für die Konfiguration müssen wir in FileZilla nur als Protokoll SFTP auswählen, als Server die lokale IP des Raspberry angeben, Verbindungsart “Normal”, Benutzer “pi” und das Passwort angeben, das wir auch sonst für den Zugriff auf den Raspberry benötigen. Das ist fast alles. SSH muss auf dem Raspberry aktiviert sein. Damit wir die Dateien auch bearbeiten können, müssen wir ihnen in Raspbian alle Zugriffsrechte vergeben. Dazu mit der linken Maustaste auf die Datei oder den Ordner klicken, um ein Popup-Fenster zu öffnen.

Konfiguration des FTP-Clients FileZilla für den Dateizugriff auf Raspbian von Windows aus über das SFTP-Protokoll.
In Raspbian mit der linken Maustaste auf eine Datei oder einen Ordner klicken, um die Freigaben festzulegen.

Notepad++: Konfigurationsdateien ändere ich auf Windows mit Notepad++, dessen Zeichenkodierung auf UTF-8 einzustellen ist, weil dies Linux so verlangt.

Windowsfenster von Notpad++

Asterisk von Windows aus Editieren: Für das Editieren der Asterisk-Konfigurationsdateien sind dem Ordner /etc/asterisk alle Freigaben zu gewähren. Dann können die Konfigurationsdateien von und nach Windows verschoben werden. Eine Konfigurationsdatei wird auf Windows mit Notepad++ editiert und dann mit Hilfe von FileZilla nach etc/asterisk kopiert. Es erfolgt die Frage, ob die vorhandene überschrieben werden darf, was zu bejahen ist. Damit die Änderungen an der Konfiguration wirksam werden, müssen in der Asterisk-Konsole, die mit Hilfe von PuTTY die Befehle

“sip reload” für das Laden der sip.conf
“dialplan reload” für das Laden der extensions.conf und
“reload” für das Laden aller Konfigurationsdateien

ausgeführt werden. Dann kann das Testen beginnen. Die Auswirkungen lassen sich unmittelbar auf der Konsole verfolgen. So macht das Experimentieren mit Asterisk Spaß. Die unverzichtbaren Dateisicherungen lassen sich ebenfalls bequem und zeitnah bewerkstelligen.

Macro Recorder spart lästige Tipperei: Mit dem  kleinen Programm Macro Recorder lassen sich alle Tastaturanschläge und Mausbewegungen aufzeichnen um sie für Routinetätigkeiten wieder abspulen zu können. Wie von Geisterhand lässt dann zum Beispiel PuTTY öffnen und alle anderen Tätigkeiten automatisch ausführen, bis das CLI-Fenster von Raspbian in der gewünschten Größe auf dem Windows-Desktop erscheint. Anschließend werden noch die notwendigen Befehle automatisch eingetippt, bis zum Beispiel die Konsole von Asterisk aufgerufen ist und gewünschte Asterisk-Befehle ausgeführt sind. Die einzelnen Aufgaben werden in Dateien abgespeichert, die sich auch editieren lassen, um zum Beispiel die Pausen zu verkürzen.

Oberfläche des Macro Recorder. Zu sehen ist die als Skript gespeicherte Ausführung zum Starten von PuTTY.

Fernsteuerung des Raspberry mit AnyDesk: Mit AnyDesk geht es noch einen Schritt weiter. Allerdings muss man AnyDesk auf dem Raspberry installieren. Das Programm  lässt sich sich mit einem Debian-Paket installieren und ist unter https://anydesk.com/de/downloads/raspberry-pi erhältlich. Für private Anwendungen ist es kostenlos. Auf dem Windows-Rechner ist ebenfalls AnyDesk installiert und es ist dann die grafische Oberfläche des Raspbian zu sehen, die sich von Windows aus bedienen lässt. AnyDesk gibt es auch für Smartphones. Vom Smartphone aus könnte man dann seinen Raspbian betreuen. Dies funktioniert auch über das Internet aus jeder Ecke der Welt.