Das Rundfunkmuseum in Jönköping

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Das Rundfunkmuseum im schwedischen Jönköping

Jönköping liegt an der Südspitze des Sees Vättern. Dort befindet sich etwa 50 m vom Streichholzmuseum das Rundfunkmuseum, welches das ganze Jahr über geöffnet ist. Dort sind über 1000 Exponate der Rundfunk- und Fernsehtechnik von den allerersten Anfängen bis zur Gegenwart zu sehen.

Webseite mit Hintergrundinformationnen, Lageplan und Öffnungszeiten: http://www.radiomuseet.com/

Lageplan: Das Museum ist in Jönköping (Aussprache etwa wie Jönn-chöpping) leicht zu finden, da es sich im Streichholzviertel in der Nähe des Streichholzmuseums findet. Es ist einfach immer der Ausschilderung "Tändsticksmuseet" zu folgen.


Größere Karte zeigen. Lageplan des Rundfunkmuseums in Jönköping. Der grüne Pfeil zeigt ungefähr auf das Radiomuseum.

Das Museum ist eine Stiftung, welche von der Stadt Jönköping unterstützt wird.  Der erste Radioladen Schwedens wurde von Erik Karlsson im alter von 16 Jahren in Jönköping 1925 eröffnet, 3 Monate nach dem die ersten Rundfunksendungen in Schweden ausgestrahlt wurden. Am Anfang wurden selbst gebaute Geräte verkauft. Der Sohn von Erik Karlsson ist nun der Betreuer des Rundfunkmuseums.

Das Museum liefert einen hervoragenden Überblick über den Wandel des Designs der Radio- und TV-Gehäuse in den verschienden Epochen, wobei für das schwedische Design, welches in den 60er Jahren in Deutschland als skandinavische Linie bekannt wurde, viele Exponate vertreten sind.

Gedränge herrscht in diesem Museum nicht bei nur 3000 bis 4000 Besuchern im Jahr. Das Thema ist eben sehr ausgefallen, da immer weniger Menschen sich für die Rundfunkgeschichte interessieren. Der Betreiber nimmt sich gerne viel Zeit für die Beantwortung von Fragen und kann sogar Deutsch.

Die Preisangaben sind besser einzuordnen, wenn man versteht, dass ein durchschnittlicher Monatslohn nach Steuern und Abgaben in der Mitte der 1950er Jahre vielleicht um die 700,- bis 1000,- Kronen betrug. Ein besseres Radio kostete also einen ganzen Monatslohn.

Ich war dort und durfte Fotos machen, die ich nachfolgend vorstellen möchte. Ein Klick auf die Bilder ruft die hochauflösende Darstellung in einem neuem Fenster auf. Die Bilder sind in etwa chronologisch geordnet. Es sind alles Schnappschüsse, weshalb keine zu hohen Erwartungen an die Bildqualität gestellt werden sollten:


Aussenansicht des Museums in der Tändsticksgatan im Streicholzviertel von Jönköping.


Das Werbeplakat des ersten schwedischen Radiogeschäftes von 1925, welches sich in Jönköping befand und von Erik Karlsson im Alter von 16 Jahren gegründet wurde. Die Ursprünge des Museums liegen in diesem Geschäft.

Überblick der Museumsausstellung:


Der Hauptraum.


Die Fernseh-Abteilung.


Blick auf den Eingang.


Die Anfänge der Radiotechnik aus den 1920er Jahren.


Kofferradios im Nebenraum, hauptsächlich aus den 50er- und 60er-Jahren, darunter solche mit Batterieröhren.


Tonbandgeräte aus vier Jahrzehnten.

Die Anfänge der Schallaufzeichnung um 1900:


Ediphone Edison Phonograf für die mechanische Tonaufzeichnung.


Trichtergrammophon von 1904 mit Münzeinwurf. Man beachte das Messingschild in der Großansicht.

Die Geburt des Rundfunks am Anfang der 1920er Jahre mit dem Aufkommen der Elektronenröhre:


Eines der ersten Radios aus dem Jahr 1924, Eigenbau nach einer Baubeschreibung.


Empfänger, 1923, 6 Röhren.


Radio AB Uno Särnmark, Göteborg Empfänger, Superhet, 8 Röhren, Batteriebetrieb, Baujahr 1926.


Baltic Super 20 mit Trichterlautsprecher und Rahmenantenne.


1926, externe Lautsprecher und Rundfunkempfänger.


Externe Lautsprecher der Marke Blåpunkt, 1929.


Werbeschrift der obigen Lautsprecher.


Reiseempfänger Radiola, 1929.

Rundfunkgeräte der 1930er Jahre:


Telefunken, Super 330 GLK, 4 Röhren, Gleichstrom, 1933, Preis: 255,- Kronen, Gehäuse Bakelit. Die Radioapparate lassen sich nun in der Regel über das Stromnetz betreiben. Davor war Batteriebetrieb die Regel.


Bakelit-Radio Telefunken 346 WL.


2 Volksempfänger aus deutscher Produktion.


Radio mit Einknopfbedienung Baujahr 1937/38. Wie mit einem Joystick erfolgte die Einstellung der Lautstärke und die Seinderwahl, Typ: Philips Aachen Super D53, genannt Lämmerschwanz wegen seiner Einknopfbedienung.

Rundfunkgeräte der 1940er Jahre:


Typische schwedische Radios aus den 1940er Jahren. UKW gab es noch nicht. Es waren meistens Empfänger nach dem Superhet-Prinzip (Überlagerungsempfänger mit den Empangsbereichen Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle.


Centrum 761 V aus dem Jahr 1946, damaliger Preis 296,- Kronen.

Unterhaltshungselektronik ab den 1950er Jahren: Der Wohlstand bricht aus. Musiktruhen und Fernseher neben Einzug in das Wohnzimmer, UKW- und Stereorundfunk werden eingeführt. Ein Zweitradio steht in der Küche. Kleine tragbare Transistorradios kommen Ende der 1950er Jahre auf dem Markt und Ende der 1960er Jahre hat der Transistor die Elektronenröhre fast vollständig verdrängt. Um 1967 wird in Europa das Farbfernsehen eingeführt.


In der Mitte Musiktruhe Luxor M 271 W, Baujahr 1950 – 1951, Preis: 1375,- Kronen. In den 50er Jahren war ein Musiktruhe ein Statussymbol im Wohnzimmer. Und es war auch praktisch, weil die Technik und die Schallplatten in einem Möbelstück verschwanden.


Der Empfängerteil der obigen Musiktruhe. UKW-Empfang ist nicht vorhanden, dafür aber neben Lang- und Mittelwelle vier verschiedene Kurzwellenbänder, die einem die Welt ins Wohnzimmer holten.


Plattenspieler mit Plattenwechsler der obigen Musiktruhe.


Musiktruhe von Philips, Typ FX 995 A, Baujahr 1955 – 1957, damaliger stolzer Preis: 2495,- Kronen.


Musiktruhe, Concerton  U 5087, Jahr 1956, 995,- Kronen. Ab etwa 1955 kamen die Tastensätze auf (Gebissradio). UKW kann das Radio auch schon. UKW wurde in Schweden erst 1956 eingeführt, in Deutschland bereits ab 1949 – 1952.


Werbung für die obige Musiktruhe.


Luxor 3891 W, Baujahr 1958, damaliger Preis: 335,- Kronen. Dieses Modell ist übrigens in meiner eigenen Sammlung.


DUX V401, Baujahr 1959, noch Mono, aber mit UKW, hauptsächlich als Zweitgerät gedacht.


Philips UKW-Stereo-Empfänger von 1961, Typ B 5S 01 A, Preis 595,- Kronen. Anfang der 1960er Jahre wurde UKW auf Stereo erweitert.


Braun RT 20-S, Baujahr 1962. Das klare, nüchterne Design kündigt ein neues Zeitalter an. Der große Lautsprecher und die getrennte Einstellung für Höhen und Tiefen sorgen für einen guten Klang. Schaltungstechnisch war das Radio eher Durchschnitt.

Fernseher: TV wurde in der Mitte der 1950er Jahre in Schweden eingeführt.


Radio-Fernseher-Plattenspieler-Kombination, Philips Cabaret CES 2184 A, Baujahr 1958, damaliger Preis: 2795,- Kronen.


Einfacher Fernseher im schlichten Design, wahrscheinlich Anfang der 60er Jahre oder Ende der 50er Jahre. Unten war Platz für die Fernsehzeitschriften.


AGA 4346, Baujahr 1963/64, 19-Zoll-Bildröhre, Spitzname "Grabstein" wegen seiner ungewöhnlichen Form, damaliger Preis 1395,- Kronen. AGA ist eine schwedische Firma.


Ungewöhnliches Design. Luxor Mirror TV 23 Zoll, Anfang der 1960er Jahre. Die Bildröhre ist schwenkbar.


Werbeplakat des obigen Fernseher: "Neu – gewagt – exklusiv". Das Chassis ist schon teilweise transistorisiert.

Tonbandgeräte:


Erstes Tonbandgerät von 1947 aus den USA, das in Schweden zum Einsatz kam.


Tonbandgerät mit Papierband aus dem Jahre 1940, hergestellt von EICOR, USA.

Schallplattenherstellung:


Maschinen zur Herstellung von Schallplatten.

Messtechnik: Elektronenröhren unterliegen einem Verschleiß. Das elektrische Verhalten ändert sich schleichend. Ob eine Röhre noch gut oder schlecht war, wurde mit Röhrenprüfern, die in keiner Werkstatt fehlten, überprüft.


Röhrenprüfer mit eingesteckten Röhren. Normalerweise steckt aber nur eine Röhre im Prüfer, denn es können ja nicht mehrere Röhren gleichzeitig gemessen werden. Die Röhren stammen aus den 1930er- bis 1940er-Jahre.


Röhrenprüfer. Den Röhrenfassungen nach zu urteilen aus den 1950er-Jahren.


Röhrenprüfer mit Karteikarten nach dem Lochkartenprinzip. Für die gängigsten Röhren gibt es Karteikarten, die in den Apparat gesteckt werden. Auf diese Weise spart man sich das Umlegen von Schaltern für jeden einzelnen Röhrentyp.


Der Karteikasten mit den Röhrenkarten des obigen Röhrenprüfers.


Alles konnte ich hier nicht zeigen und in zwei Stunden konnten wir auch nicht alles im Museum betrachten. Wir kommen natürlich wieder!

Mehr zur Geschichte des schwedischen Radios unter http://www.janmilld.se/historia/6/radio.html und http://www.tekniskamuseet.se/1/1107.html auf Schwedisch. Übersetzung in Planung.