Röhrenradio Kungs Radio 319 V von 1938

Kungs Radio 319 V Vorderansicht

Röhrenradio Kungs Radio 319 V von 1938 oder 1939

Diesen Rundfunkempfänger aus schwedischer Produktion entdeckte ich auf einem Flohmarkt in Norrköping. Da konnte ich nicht widerstehen. Das Gerät wurde als defekt vorgestellt. Für mich war es ein interessantes Restaurierungs- Reparaturobjekt.

Den vollständigen Reparatur- und Restaurierungsbericht mit vielen Bildern gibt es im Wumpus-Gollum-Forum. Dieser Bericht dort ist ein schönes Beispiel, wie ein altes Radio wieder ansehnlich und funktionstüchtig wird.

Technische Daten:
Typenbezeichnung: Kungs Radio 319V
Röhrensatz: ACH 1, AF 3, ABC 1, AL 4, AZ 1
Kreise: 7
Empfangsprinzip: Superhet, zwei Vorkreise auf Lang- und Mittelwelle für die Spiegelfrequenzunterdrückung.
Wellenbereiche: 3 Wellenbereiche von 13,7 bis 2000 m
Besonderheit: Große beleuchtete Skala mit beleuchteter Hervorhebung der Stationsnamen.
Größe: 470 x 240 x 286 mm.
Stromverbrauch: 62 Watt.
Baujahr: 1938/1939
Hersteller: Kungs Radio, Bröderna Anderssons Velocipedfabrik, Schweden
Schaltbild und Abgleichunterlagen: http://www.kungsradio.se/319/kungs319v.html

Zustand des Gehäuses: Lack blättert ab, Kratzer, Stoff in Ordnung, alle Knöpfe vorhanden.
Zustand der Technik: Unbekannt beim Kauf, augenscheinlich alles vorhanden, verdreckt.

Entdeckte Fehler und ihre Beseitigung: Sämtliche Elkos waren ausgetrocknet und wurden ersetzt. Netzschalter unbeweglich und ohne Kontakt. Abhilfe: Bremsenreiniger und Kriechöl. Wellenschater unbeweglich. Abhilfe: Kriechöl und Bremsenreiniger. Alle Kontakte der Röhrenfassungen wurden mit Elektronikreinigungsspray gereinigt. Der Abblockkondensator zum Steuergitter der NF-Endröhre wurde obligatorisch durch die Serienschaltung eines modernen Kunststoffolienkondensators daran gehindert Kriechströme zu erzeugen, die den Arbeitspunkt der Endröhre verstellen. Der Langwellenbereich funktioniert nicht. Wahrscheinlich ist die Wicklung der Eingangsspule durch ein Gewitter beschädigt worden. Eine Neubewicklung steht noch aus. Das Gehäuse wurde abgeschliffen und mit Schellack lackiert und poliert, nachdem es gebeizt wurde. Es fehlt noch die Kunststofffolie für die Beschrifung an den Knöpfen. Diese Folie möchte ich mit Hilfe eines Scans nachmachen und auf Klarsichtfolie ausdrucken. Der Netzspannungswahlschalter war korrodiert und lieferte keinen Kontakt. Abhilfe: Reinigung mit Kriechöl und Bremsenreiniger. Ein Stück Kabel musste wegen der zerbröselnder Kunststoffisolation ersetzt werden. Alle anderen Kabelisolationen waren textilumsponnen und in Ordnung. Skalenglas und Stationskala verdreckt. Reinigung mit Glasreiniger.

Besonderheit: Hinter der sich drehenden Skalenscheibe mit den Stationsnamen befinden sich für jeden der drei Wellenbereiche ein Glühbirnchen, wovon jeweils eines je nach dem gewählten Rundfunkband leuchtet. Das Licht fällt durch einen Schlitz und beleuchtet den entsprechenden Stationsnamen auf der Skala.

Technik: Der Röhrensatz des Radios war bereits 1938/1939 schon zwei bis drei Jahre veraltet. Offenbar wurden hier Restbestände verbaut. Der Drehko hat drei Plattenpakete, weil das Radio zwei Vorkreise am Eingang hat. Dies war wegen der relativ niedriegen ZF für die Spiegelfrequenzunterdrückung notwendig. Das Netzteil ist vielleicht deshalb vom Empfängerchassis getrennt, um eine Allstromversion leichter umsetzen zu können.

Die Konstruktion ist sehr stabil. Es wurde viel wert auf Abschirmung und mechanische Stabilität gelegt. Vieles ist allerdings umständlich gelöst worden. Das Gerät ist serviceunfreundlich.


Kungs Radio 319V vor der Restaurierung. Viele Kratzer, rissiger Lack, der abblättert. Skalengla innen und außen verdreckt.


Restauriert und repariert. Der neue Lack wird im Laufe der Jahre noch nachdunkeln.


Die Stationskala mit der beleuchteten Hervorhebung der Stationsnamen, die natürlich nicht mehr aktuell sind.


Andere Ansicht des Radios.


Die Rückwand besteht aus Holz und Kaninchengitter.


Das Chassis besteht aus zwei Teilen.


Die Stationskala im noch verdreckten Zustand.


Unterseite teilweise geöffnet. Abdeckung aus 0,7 mm dicken Stahlblechen, die scharfkantig sind.


Ausgebautes Chassis von hinten. Zu sehen sind die drei Glühbirnchen für die drei Rundfunkbänder. Das Gehäuse des rechten Elkos steht im Betrieb mit über 400 Volt unter Spannung. Also Vorsicht!


Chassis von vorne.


Gehäuse ohne Chassis.


Das Empfängerchassis von unten. Die Bauteile sind dicht gedrängt und schwer zugänglich.


Auf den Röhren war noch die Garantieaufkleber von Kungs Radio. Röhren waren damals sehr teuer. Hier die Gleichrichterröhre AZ1 mit ihrem P-Sockel.


Chassis mit einigen neuen Kondensatoren, die noch in den alten versteckt werden könnten. Für den ersten Probebetrieb ändert dies aber nichts an der Funktion.


Ersatz des Ladeelkos durch moderne Elkos. Im Datenblatt der Gleichrichterröhren kann die maximal zulässige Kapazität erfahren werden.


Hier sind die ausgetauschten Kondensatoren gekennzeichnet. Alle Elkos waren ausgetrocknet. Das Radio hätte laut gebrummt. Ein Stück des Kabels mit schadhafter Isolation ist ebenfalls zu sehen.


Erstes Einschalten mit einer vorgeschalteten 60-Watt-Glühbirne aus Sicherheitsgründen. Vorsicht vor elektrischen Schlägen bei diesem Aufbau. Trenntrafo empfehlenswert.


Gehäuse geschliffen. Feinschliff mit 400er Papier. Alte Farbe lässt sich durch stundenlanges Auflegen von mit Pinselreiniger getränkten Lappen beseitigen. Danach kann der alte Lack abgewischt werden. Vor dem Einweichen den Lack mit 220er Papier aufrauen.


Gehäuse gebeizt, damit es dunkler wird. Nach dem Trocknen unbendingt mit feinem Papier schleifen wegen der hervorstehenden Fasern.


Erste Schellackschicht mit reichlich Porenfüller. Rückwand zum Farbvergleich.


Gehäuse nach der Politur mit Hilfe von Schellack und Polieröl.


Nach einigen weiteren Schellackschichten und Polituren wurde das Radio wieder zusammengebaut. Der Einbau des Chassis hat sich als sehr schwierig erwiesen. Das Gehäuse ist dabei mit sauberen Handtüchern vor dem Zerkratzen zu schützen.


Die Glasscheibe wird durch vier Klammern gehalten.


 Die Klammern drücken das Glas in Richtung Zentrum. Wichtig ist, dass sich ein Teil der Klammer in der Nut zwischen dem Glas und dem Holz befindet, damit sich die Skalenscheibe nicht verklemmt.


Die ausgebaute Holzplatte mit Lautsprecher. Die Platte ist an ihren Ecken mit Holzschrauben befestigt.


Der Stoff ist noch recht gut erhalten. Dort, wo das Holz den Stoff geschützt hat, ist der ursprüngliche Zustand zu erkennen.


Ein wichtiges Hilfmittel. Mit der Hilfe des Drahtes gelang es mir die Schraube in das Loch einzuführen, das sich in dem schmalen Spalt zwischen dem Netzteil und der Holzgehäusewand befand.


Kungs Radio 319V auf Kurzwelle, Feinfühligkeit der Einstellung und die sehr schwache Beleuchtung der eingestellten Stationen.

Noch ein paar Tipps: Die genaue Beschreibung der Restaurierung und Reparatur ist im Wumpus-Gollum-Forum nachzulesen. Die Funktion der Klammern, welche die Glasscheibe halten, ist genau zu beachten, da sich sonst die Klammern mit der Skalenscheibe verklemmen. Ausgebaut wird das Brett, auf dem der Lautsprecher sitzt. Die Schraube der linken unteren Ecke ist kleiner, weil sie sehr dicht an der Aussparung für den Lautsprecher sitzt. Das muss man beim Zusammenbau wissen.  Die rechte Schraube für die Netzteilbefestigung lässt sich mit einem Stück Draht wieder einsetzen, den man als vorübergehende Halterung für die Schraube benutzt. Die schwarzen Flächen habe ich mit wasserfesten Filzstift nachgezeichnet und anschließend teilweise mit einem Tuch verwischt, damit es gleichmäßiger aussieht.


Nach ein paar Tagen sind einige Stellen der Maserung durch das Nachdunkeln stärker betont.


Je nach Lichteinfall und Betrachtungwinkel kommt die Maserung durch den Hochglanz unterschiedlich zum Vorschein.