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22. Oktober 2020
Dieses hier vorgestellte weinrote Wählscheibentelefon Fe TAp 791-1 der Deutschen Bundespost stammt aus dem Jahr 1985. Es wurde restauriert und die Mechanik des Nummernschalters musste gereinigt werden, damit sich das Telefon nicht mehr verwählt.
Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Fernsprechtischapparat#FeTAp_79
Ausgangszustand: Das Gehäuses war leicht verschmutzt und mit kleinen Schimmelflecken übersäht, die durch eine lange Lagerung an einem feuchten Ort entstehen können. Die Kunststoffoberflächen hatten zudem als Gebrauchsspuren feine Kratzer. Der Nummernschalter verwählte sich dauernd. Das Anschlusskabel fehlte. Der Hörer war durch den Gebrauch verschmutzt. Das Spiralkabel war verheddert. Kratzer befanden sich auf der Wählscheibe.
Behandlung des Gehäuses: Das Telefon wurde demontiert. Die Gehäuseteile polierte ich mit Autolackreiniger, was einen frischen Glanz erzielte. Die feinen Kratzer verschwinden dadurch nicht ganz. Durch die Reflexionen des Spiegelglanzes fallen sie aber nicht mehr so stark ins Auge.
An einer Stelle hat jemand versucht das Gehäuse mit einem Schraubenzieher zu öffnen. Die scharfkantige Beschädigung konnte teilweise herausgeschliffen und poliert werden. Erst 100er, dann 400er Schleifpapier, dann grobe Polierpaste und zum Schluss Autolackreiniger:
Reinigen des Hörers: Aus hygienischen Gründen demontiere und reinige ich die Hörer grundsätzlich.
Restaurierung des Spiralkabels nach der Lockenwickler-Methode: Das Spiralkabel wurde in der Waschmaschine bei 60 °C in einem Socken gewaschen. Anschließend wurde es auf einem Stab Windung für Windung fein säuberlich aufgewickelt und mit einer Heißluftpistole vorsichtig erwärmt, wobei die Hand im Luftstrom immer als Kontrolle dient, da sonst durch zu hohe Temperaturen der Kunststoff beschädigt wird. Nach dem Abkühlen konnte das Kabel vom Stab gelöst werden und es war frei von Kinken.
Die Reinigung des Nummernschalters: Die obere Abdeckung für den runden Karton lässt sich durch Verdrehen entgegen des Uhrzeigersinns abnehmen. Da Kratzer zu sehen war, polierte ich dieses Teil, das wie ein Uhrglas aussieht.
Reinigung der Mechanik und der elektrischen Kontakte des Nummernschalters: Nach dem Zusammenbau des Telefons zeigte sich, dass sich der Nummernschalter sehr oft verwählte. Die Kontakte reinigte ich vorsichtig mit Papierstreifen, die mit Kontaktspray befeuchtet waren. Dies machte die Sache noch schlimmer, da nun Fussel und Staub zwischen den intakten und gereinigten Kontaktflächen klebte, was zu Fehlfunktionen führte.
Um den Staub und die Fussel zu entfernen, welche mit einer Lupe zu erkennen waren, kam die Unterseite des Nummernschalters in ein Ultraschallbad mit einer aufgelösten Tablette Gebissreiniger, um auch organische Anhaftungen gut auflösen zu können. Dabei reicht ein Wasserstand, der nur die Kontakte eintauchen lässt. Zur Sicherheit habe ich die Pappscheibe entfernt, damit sie nicht nass wird.
Nach 5 Minuten im Ultraschallbad wurde der Nummernschalter ohne Abspülen mit einer Heißluftpistole getrocknet, die in einem halben Meter Abstand zu halten ist. Beim Trocknen hält man den Nummernschalter in der Hand, um die Temperatur zu fühlen, damit es den Kunststoffteilen des Nummernschalters nicht zu heiß wird.
Danach schloss ich den Nummernschalter an und er verwählte sich nicht mehr. Selbst lange Auslandsnummern arbeitet der gereinigte Nummernschalter zuverlässig ab. Das Problem ist eher der menschliche Faktor, der zum Verwählen neigt.
Allerdings drehte sich der Nummernschalter nach der Reinigung etwa geschätzte 3% schneller als vorher, was ein direkter Vergleich mit einem kalibrierten Nummernschalter ergab. Nach 24 Stunden war der Nummernschalter vollständig durchgetrocknet und hatte wieder die gleiche Geschwindigkeit wie vor der Reinigung.
Leider verwählte sich der Nummernschalter nach einigen Tagen wieder sehr häufig. Zu früh gefreut. Ein defekter Nummernschalter lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Die Prozedur war nicht so trivial, wie ich mir das anfangs dachte.
Der rechte Teil lässt sich mit zwei Schrauben abschrauben und dann hat man die Einheit mit den den drei Kontakten nsi, nsr und nsa in der Hand. Sehr praktisch und servicefreundlich. Warum bin ich nicht vorher darauf gekommen? Also das Teil abgeschraubt und die Kontakte mit der Lupe betrachtet. Diese waren schwarz und der nsi hatte sich sogar an seinen Kontaktflächen leicht verhakt, was die Schaltzeiten verändert.
Mit sehr feinem Schleifpapier (400er oder noch feiner) die Kontaktflächen behutsam plan geschliffen und sauber gemacht. Dann mit der aufgerauten Klinge eines alten Teppichbodenmessers nochmals nachpoliert. Danach mit viel Wasser und Spüli bei geöffneten Kontakten ordentlich gespült und im Waschwassser geschwenkt. Mit einem Pinsel unter Wasser nachgeholfen. Ein Ultraschallreiniger wäre natürlich ideal gewesen. Aber meiner ist leider kaputt gegangen. der ganze Dreck durch das Schleifen muss raus, da die Körnchen isolierend wirken.
Dann nach dem Trocknem wieder eingebaut. Dabei genau hinschauen, wie die Blattfedern sitzen müssen. Die Kontakte schließen jetzt scheinbar zuverlässig. Aber immer wieder ab und zu ein Prellen im Hörer zu hören, vor allen Dingen wenn man die „1“ zu Beginn wählt. Beim Wählen immer auf die Wählgeräusche im Hörer achten. Sie sind sehr aufschlussreich. Das Prellen ist manchmal kaum zu hören und man vermutet schlechte Kontaktflächen und reinigt vergebens nochmal, bis man kurz davor ist das Handtuch zu werfen und anfängt an sich zu zweifeln. Aber ich habe es mir angewöhnt fast nie aufzugeben, was fast regelmäßig zum Erfolg führt. Und wenn alles scheitert, hat man wenigstens trotzdem viel dabei gelernt. Mir war anfangs das Prellen nicht aufgefallen.
Zu geringe Federspannung führt zum Prellen und zu Kontaktschwierigkeiten. Also im eingebauten Zustand mit einer kleinen Flachzange vorsichtig die beiden Blattfedern des nsi und nsr gleichzeitig ganz wenig verbogen. Dazu die Zange in der Nähe der Befestigung der Blattfedern ansetzen und die Zange leicht im Uhrzeigersinn verdrehen, etwa 5 bis 10 Grad für den Anfang. Das Prellen war dann verschwunden. Kein Verwählen mehr. Hört sich so leicht an. Es sind aber einige Stunden verstrichen bis ich verstanden hatte, was die Ursache ist, denn diese Mechanik kannte ich noch nicht. Beim Verbiegen der Federn kann sich das zeitliche Zusammenspiel der Kontakte ungünstig verändern und im schlimmsten Fall den Nummernschalter unbrauchbar machen. Die Blattfedern scheinen wohl auch mit den Jahrzehnten zu erlahmen.
Zum Testen hatte ich mir für meinen Asterisk-Server ein paar Testnummern ausgedacht, zum Beispiel die 1234567890, um ein Verwählen festzustellen. Das war sehr hilfreich.
Manchmal wundere ich mich selbst über den Aufwand, den ich betreibe um mit alten Wählscheibentelefonen zuverlässig telefonieren zu können. Dabei besitze ich ein Smartphone und verwende es täglich, aber selten zum Telefonieren.
Am nächsten gegen 9:00 nochmals getestet. Nach 10 Versuchen hatte er sich einmal verwählt. Danach die Feder nochmals etwas mehr verbogen und kein Verwählen mehr.
Also kann man die Ursachen des Verwählens wie folgt zusammenfassen:
1. Korrodierte Kontakte.
Erscheinung: Häufiges Verwählen.
Abhilfe: Reinigen, Schleifen, Polieren
2. Staub, Dreck, Schmutz und Fussel zwischen den Kontaktflächen.
Erscheinung: Rauschen, Knistern, Prasseln im Hörer: Abhilfe: Waschen, Ultraschallbad
3. Zu geringer Kontaktdruck als Folge zu geringer Federspannung durch Materialermüdung.
Erscheinung: Prellen, Verwählen in unregelmäßigen Abstand, besonders wenn die erste Ziffer der Nummer eine 1 ist.
Abhilfe: Blattfedern behutsam nachbiegen.
Fazit: Bei diesem Telefon handelt es sich um eine stabile Konstruktion nach den strengen Vorgaben der Deutschen Bundespost. Der Apparat lässt sich leicht demontieren und wieder zusammensetzen. Die Sprachqualität ist wunderbar. Die Bedienung ist einfach, wenn der Anwender sich mit der Wählscheibe vertraut gemacht hat, was bei der jüngeren Generation Smartphone nicht immer wie selbstverständlich der Fall ist. Die Zeiten ändern sich und die Anforderungen auch.
Testen des Telefons Fe TAp 791-1 an meiner Asterisk-Anlage.
Als junger Mann war dieses Modell mein erstes Telefon. Leider kann ich mich nicht mehr an die Farbe erinnern. Ein Tastenfeld gab es nur gegen einen monatlichen Aufpreis. Die Form empfand ich damals als langweilig, weil dieses Modell eine sehr große Verbreitung hatte und deshalb vielleicht spießig und altbacken wirkte. Heute erzielt der Fe TAp 791 relativ stolze Preise auf Ebay. Wahrscheinlich sind mit diesem Telefon viele Erinnerungen verknüpft.