Mikrofon-Vorverstärker für ein Telefon





Mikrofonvorverstärker für ein Telefon mit dynamischer Sprechkapsel am Beispiel des Signo 2

8.12.2019

Ein Telefon Signo 2 der Telekom war vom Gesprächspartner zu leise zu hören. Abhilfe kann ein zusätzlicher Mikrofonvorverstärker leisten.




Ein typischer Fehler des Signo 2 sind defekte Hör- und Sprechkapseln, die beide dynamisch sind und durch Alterungsprozesse an Empfindlichkeit verlieren. Dies war auch bei meinem Exemplar der Fall. Deshalb baute ich zwei dynamische Hörkapseln aus der Bastelkiste in den Hörer ein, deren Abmessungen relativ gut passten. Der Gesprächspartner war wieder laut zu hören. Eine alte dynamische Hörkapsel diente nun als Sprechkapsel, die leider etwas zu leise war, weshalb ich einen Mikrofonverstärker einbaute. Das Telefon Signo 2 ist auf Telefon Signo 2 der Telekom vorgestellt.


Signo 2 der Telekom aus den 1990er Jahren.

Vorbild für den Mikrofonverstärker ist die auf Berechnung eines zweistufigen Transistorverstärkers mit Gegenkopplung vorgestellte Transistorgrundschaltung, da sie einen niedrigen Ausgangswiderstand besitzt. Dieser Schaltung vorgeschaltet ist ein Trimmpoti für die Wahl der Spannungsverstärkung. Im Berechnungsprogramm habe ich für V=10 eingegeben. Hinter dem Verstärker befindet sich ein kleiner 1:1 NF-Trafo, um eine symmetrische Ausgangsspannung mit galvanischer Trennung zu liefern, was die Nachbildung einer dynamischen Sprechkapsel entspricht. Auf der Leiterplatte habe ich zudem eine Spannungsversorgung von 6 Volt gefunden, weshalb der Vorverstärker für eine Betriebsspannung von 6 Volt ausgelegt, die nur bei abgehobenem Hörer zur Verfügung steht.

Die Schaltung des Telefons Signo 2 basiert auf dem Chip U3800BM. Laut Datenblatt des U3800BM ist es eine symmetrische Einspeisung des Mikrofonsignals für die automatische Regelung des Pegels vorteilhafter, weshalb ich mich für ein Lösung mit einem Übertrager entschied. Ob auch eine Lösung ohne NF-Übertrager mit zwei Kondensatoren funktioniert, wäre noch auszuprobieren. Der hier verwendete Übertrager stammt aus der Bastelkiste. Beide Wicklungen besitzen etwa 100 Ohm Gleichstromwiderstand. Andere Werte gehen nach entsprechender Anpassung auch.

Im Gegensatz zum Ergebnis des Berechnungsprogramms wurden der Querstrom durch den Spannungsteiler bestehen aus R1 und R2 erhöht, weil es nicht auf eine besonders hohe Eingangsimpedanz ankommt.

Die Leitungen für den Eingang und für den Ausgang des Verstärkers sind sicherheitshalber verdrillt auszuführen, um Verkoppelungen zu vermeiden.

Der Widerstand R6 (100 Ohm) dient im Verbindung mit C3 der Entkoppelung der Betriebsspannung, um eventuelles Blubbern (Motorboating) zu vermeiden.

Schaltbild des Vorverstärkers. Sicherlich kann für R6 auch 10kOhm wählen. Für die Transistoren werden auch andere Kleinleistungstransistoren funktionieren.

Aufbau auf einer kleinen Lochrasterplatte für einen möglichst kompakten Aufbau.

Verdrahtung der Lochrasterplatte.

Auf der Leiterplatte mussten zudem entsprechende Leiterbahnen durchtrennt werden, wa mit einem kleinen angeschärften Uhrmacherschrauberdreher und einer Lupe gelang. Durch die Leiterbahnunterbrechungen konnte der Mikrofonverstärker eingeschleift werden. Sein Eingang ist direkt mit der Sprechkapsel verbunden und sein Ausgang liegt dort, wo die Sprechkapsel hätte angeschlossen werden sollen.

Angelötete Kabel. Das blaue und rote Kabel liefern 6 Volt Gleichspannung.

Rot sind die Leiterbahnunterbrechungen. Blau sind die Verbindungen zum Eingang des Mikrofonverstärkers, die lila Kabel führen zum Ausgangs des Mikrofonverstärkers.

Angelötete Kabel von und zum Mikrofonverstärker. Die blau-rosa-gestreiften Kabel führen direkt zur Sprechkapsel.

Das erste Telefonat noch ohne Gehäuse zum Einstellen des Mikrofonpegels.

Der Mikrofonvorverstärker hat seine Ecke im Telefongehäuse gefunden.

Nahaufnahme des eingebauten Mikrofonvorverstärkers.

Vor dem Einbau musste noch mit dem Trimmpoti der Pegel angepasst werden. Die Tonqualität ist jetzt angenehm laut und sehr gut. Alles lief gemäß der Berechnung.




Leider konnte ich das Telefon nur an einer Fritz!Box testen. Bei dieser lag die Spannungsversorgung für den Vorverstärker bei 6 Volt. Ich nehme an, dass sie stabilisiert ist. Deshalb kann ich keine Aussage darüber machen, wie sich das Telefon an an anderen Routern oder an einer Amtsleitung verhält.

Dieses Exemplar des Signo 2 ist sicherlich ein Unikat. Mich würde interessieren wie viele Signo 2 mit einem selbst gebauten Vorverstärker im Betrieb sind.

Selbstverständlich hat dieses Telefon nach dem Eingriff sämtliche Zulassungen verloren, weshalb ich es nur an einer Nebenstellenanlage mit einer FritzBox betreibe.