28. August 2025
Das Angebot auf der schwedischen Auktionsplattform Tradera kam wie gerufen: Zum Schnäppchenpreis entdeckte ich einen gebrauchten Multifunktionsdrucker Brother FAX-2820 und kaufte ihn ohne zu zögern. Offenbar wollte das 12 kg schwere Monstrum niemand haben.

Nach einer kurzen Netz-Recherche war klar: Der Brother FAX-2820 ist so eine Art All-in-one-Fossil – Faxgerät, Laserdrucker und Kopierer in einem. Genau mein Beuteschema. Und das Beste: Brother bot tatsächlich noch Debian-Treiber für Linux an, direkt von der Herstellerseite! Für mich als Linux-Nutzer ein kleiner Glücksfall – die Windows-Treiber enden sowieso bei Version 10, und Windows ist für mich längst Geschichte. Obendrein lag noch eine nagelneue Tonerkassette drin, gut für 2500 Seiten – mehr als ich in den nächsten Jahren an Papier durchjage. Preis: 27 Euro inklusive Versand. Für ein Gerät, das schon fast ins Technikmuseum gehört, fand ich das ein richtiges Schnäppchen. Die Druckfunktion war für mich der Hauptgewinn, Faxen ist eher eine schrullige Nebensache. Hier in Schweden schaut dich ohnehin jeder komisch an, wenn du nach einem Fax fragst. Nur in Deutschland – bei Banken und Behörden – lebt die Technik offenbar noch im Mittelalter.

Ein paar Tage später der große Moment. Das Paket war da. Ich packte es aus. Alles vorhanden wie beschrieben: Der Drucker, ein Netzkabel, ein Telefonkabel und die Tonerkassette. Komisch, das kein USB-Druckerkabel dabei war. Nicht so schlimm. So eins hatte ich noch griffbereit.

Wo ist die USB-Buchse? Also USB-Kabel anschließen und los gehts, dachte ich. Von wegen. Es war einfach keine USB-Buchse zu finden. Auf der us-amerikanischen Seite von Brother stand aber im Handbuch, wie man die Windowstreiber installiert und wie lang das USB-Kabel maximal sein darf. Aber wo die USB-Buchse sich befindet, wurde nicht verraten.
ChatGPTs Fantasien: In meiner Verzweiflung fragte ich ChatGPT wo denn nun diese USB-Buchse ist. Er klärte mich auf, dass dies Multifunktionsgerät für den europäischen Markt ein reines Faxgerät sein, mit den ich nicht als USB-Drucker verwenden könnte, weil damals nach den Vorschriften der Fernmeldebehörden Faxgeräte nicht drucken durften.

Fehlkauf!? Jetzt habe ich 12 kg Edelschrott fürs Museum gekauft. Ich ließ aber nicht locker. Auf der Rückseite kam mir eine dünne Plastikabdeckung verdächtig vor. Diese war nur aufgeklebt. Ich entfernte sie und zu meiner großen Überraschung kam eine USB-Buchse zum Vorschein. Jetzt konnte ich probeweise den Drucker an einen Laptop mit Ubuntu Mate anschließen. Der Drucker wurde erkannt. Aber zum Drucken fehlten noch die Treiber.

Die wollte ich dann sogleich herunterladen. Auf der deutschen oder schwedischen Seite gab es die dort nicht. Es gab auch keine Anleitungen und Handbücher für das Drucken. Das Thema Drucken und Treiber existierte für europäische Kunden einfach nicht.

Dann wählte ich USA aus und versuchte auf die us-amerikanische Seite zu gelangen. Die war durch Geobloking nicht erreichbar. Komisch, dass es auf einem andern Rechner funktionierte. Also habe ich eine VPN benutzt, um meinen Standort in den USA vorzutäuschen und dann klappte der Download.
Installation der Linuxtreiber: Nun war die Installation mit oder ohne VPN ganz einfach: Drucker mit Laptop Erst die brfax2820lpr-2.0.1-1.i386.deb durch Anklicken installieren und dann das gleiche Spiel mit der cupswrapperFAX2820-2.0.1-2.i386.deb. Die Reihenfolge ist zu beachten. Jetzt ist alles ganz einfach: Systemverwaltung – Drucker – Hinzufügen – Brother FAX-2820 auswählen – Treiber „FAX2820 for CUPS“ unter „BROTHER“ auswählen – weiter – Testfax ausdrucken. Das war alles. Der Druck klappte auf Anhieb. Die Installation dauerte keine 5 Minuten.





Vorher hatte ich auf ChatGPT gehört, der mich mit seinen zahlreichen Linux-Befehlen für die Kommandozeilenebene ehrfürchtig beeindruckte und dann völlig in die Irre führte. Alles ging beim Installieren schief und zum Schluss behauptete die KI noch die Treiber seien veraltet und deshalb könnte ich die Druckfunktion vergessen. Und das alles im Brustton der Überzeugung.
Jedenfalls funktioniert jetzt alles, wie es soll. Ich kann drucken, faxen und kopieren.

Ausblick: Als nächstes will ich ich meinen CUPS-Printserver für den FAX-2820 konfigurieren, damit der Drucker wie ein Netzwerkdrucker im LAN erscheint. Fortsetzung folgt in Bälde. Jetzt darf ich mir erst einmal eine Ruhepause gönnen nach diesem USB-Drama. Wegen der Installation auf dem Printserver werde ich ChatGPT fragen. Es bleibt spannend und amüsant.