Zerkratzte Kunststoffteile wieder auf Hochglanz polieren Drucken E-Mail
Dienstag, den 15. Oktober 2019 um 09:46 Uhr

Zerkratzte und matte Kunststoffteile wieder auf Hochglanz polieren

Gebrauchsartikel und Geräte der Unterhaltungselektronik hatten noch bis in die 1980er-Jahre hinein Gehäuse aus hochglänzenden Kunststoffen. Meistens kamen ab den 1950er-Jahren die Thermoplaste ABS oder Polystyrol zum Einsatz, welche das Duroplast Bakelit ablösten. Beide Thermoplaste verhalten sich fast identisch beim Schleifen und Polieren. In den 1990er-Jahren wurden matte Oberflächen beliebter. Eine Polieren würde den ursprünglichen Zustand der Oberfäche verändern.

Für den Versuch kam 2 mm dickes durchsichtiges Polystyrol zu Einsatz, das die Baumärkte als Bastlerglas anbieten. Im ersten Schritt erhielt es einen nassen Schliff mit 400er Schleifpapier, bis es an einer Stelle wie Milchglas aussah. Dies soll eine stark zerkratzte Oberfläche simulieren oder den Arbeitsschritt darstellen, um tiefe Kratzer, Krater oder andere Schadstellen herauszuschleifen.


Die Mittel und Materialien für die Polierversuche auf Kunststoffen.

Die Einzelschritte: Die Kunststofftoberflächen vorher mit Spülmittel, Glasreiniger und Wasser reinigen. Für die Reinigung und die Oberflächenbehandlung kann je nach Schwere der Schäden ein Zerlegen des Gehäuses angebracht sein. Zwischen den Einzelschritten immer ordentlich mit Spülmittel und reichlich Wasser reinigen.

  1. Nassschliff mit 400er- Schleifpapier zum Herauspolieren von Fehlstellen.
  2. Nassschliff mit 1000er- oder 1500er-Schleifpapier empfehlenswert. War leider nicht zur Hand.
  3. Polieren mit einem weichen Tuch oder Klopapier mit Chromglanz für die Bootspolitur. Ebenso geht Rubbing oder andere Mittel zum Herauspolieren feiner Kratzer im Autolack. Eine kleine Polierscheibe erleichtert die Arbeit.
  4. Polieren mit Autolackreiniger (Cleaner) für das Polieren von matten und verwitterten Lacken. Entweder von Hand oder mit einer weichen Polierscheibe.
  5. Spülen und Reinigen mit Wasser und Geschirrspülmittel.

Die Einzelschritte sind gegebenenfalls nach einer Sichtkontrolle zu wiederholen. Poliert und Geschliffen habe ich vorzugsweise von Hand. Eine Polierscheibe sollte mit langsamer Drehzahl arbeiten, da die Wärmeentwicklung den Kunststoff beschädigen könnte. Das Polieren hat bei dieser kleinen Fläche jeweils 5 Minuten gedauert.

Es ist beim Polieren und Schleifen auf eine weiche und saubere Unterlage zu achten, damit die Rückseite keine Kratzer erhält.

Später konnte ich keinen Unterschied mehr zwischen der behandelten und der unbehandelten Stelle erkennen. Allerdings verursachte die polierte Fläche direkt vor den Augen gehalten leichte Verzerrungen durch den Materialabtrag.


2 mm dickes Polystyrol nach dem nassen Anschleifen mit 400er Schleifpapier. Wenige Minuten haben dafür gereicht.


Nun kommt Chromglanz, Bootspolitur, oder Rubbing für das Entfernen von leichten Kratzern auf Autolack zum Einsatz. Poliert wird 4 Minuten mit einem weichen Tuch oder mit Toilettenpappier.


Die polierte Fäche ist noch eingetrübt. Wäre das Versuchsobjekt undurchsichtig, würde es glänzend erscheinen.


Nach der Behandlung mit Cleaner (Lackreiniger) ist kein Untershied mehr feststellbar. Die Oberfläche fühlt sich jetzt sehr glatt an.

Autolack: Die hier beschriebene Methode aus einer Kombination von Rubbing und Cleaner kommt hauptsächlich bei verschrammten Autolacken zum Einsatz. Damit habe ich hässliche Schrammen, die durch ein Tuschieren mit Holzteilen entstanden sind, erfolgreich beseitigen können. Da die behandelten Flächen etwa 40 x 40 cm groß waren, kam eine rotierende Polierscheibe als Arbeitserleichterung zum Einsatz. Nach der Behandlung mit Cleaner ist die Stelle noch einzuwachsen und der Lack sieht wie neu aus. Auf diese Weise lässt sich auch der gesammte Wagen wieder auf Hochglanz bringen. Anleitungen gibt es dafür genug im Internet.

Vergilbungen: ABS und Polystyrol können durch Sonneneinstrahlung vergilben. Durch Reinigen, Bleichen und Polieren ist diese chemische Veränderung nicht zu beseitigen. Eventuell wäre eine dickere Schicht abzuschleifen, wobei die Gefahr besteht unwiderrufliche Schäden zu verursachen. Vergilbungen und Fehlstellen fallen durch die Reflektionen der polierten Flächen übrigens weniger auf.

Bakelit: Bakelit kam noch bis in die 1950er-Jahre zum Einsatz. Meistens war es ursprünglich hochglänzend. Sehr oft lässt es sich mit Lackreiniger (Cleaner) wieder vom Dreck befreien und auf Hochglanz polieren. Das Poliertuch verfärbt sich dann braun. Ist die Oberfläche allerdings durch direkte Sonneneinstrahlung verwittert, hilft kein Polieren, weil die untere Schicht durch die Füllmasse porös ist. Deshalb ist nur so viel wie nötig und so vorsichtig wie möglich die dünne Glanzschicht zu bearbeiten. Einige versuchen den Glanz wieder mit einer Schellackpolitur zu erreichen, damit die Marmorierung im Gegensatz zu einer Lackierung weiterhin sichtbar bleibt. Der Vorteil der nicht ganz einfachen Schellackpolitur besteht darin, dass sie sich nach einem misslungenen Ergebnis wieder mit Alkohol entfernen lässt.

Aufbereitung eines zerkratzten Telefongehäuses aus ABS: Das vorliegende schwedische Telefon des Modells Dialog zeigte durch seine persönliche Geschichte starke Gebrauchspuren und stellte somit ein ideales Übungsobjekt dar. Die Oberfläche war übersäht mit Kratzern und Schrammen, in denen der Dreck klebte. An einigen Stellen waren kleine Krater zu entdecken, die durch herabfallende glühende Zigarettenasche entstanden sind. Zudem war die Oberfläche durch Klebereste von Etiketten beschädigt.


Telefon "Dialog" mit starken Gebrauchspuren.


Das Ergebnis der Restaurierung.

Ich entschloss mich für die Politur das Telefon zu demontieren, so dass die nackte Kunststoffschale und der nackte Hörer für das Schleifen und Polieren bereit waren. Gröbere Beschädigungen wurden nass mit 1500er Schleifpapier großflächig von Hand geschliffen, bis sich eine matte Oberfläche einstellte. Dauerte das Schleifen zu lange, kam eine gröbere Korngröße an gezielten Stellen für eine Einebnung zum Einsatz.


Die nackte Gehäuseschale nach der mehrstufigen Politur.


Für das Polieren mit Chromglanz hat sich eine kleine Polierscheibe bewährt, die gut in die Mulden und Ecken gelangt. Die Polierscheibe darf nicht vorher für die Metallpolitur zum Einsatz gekommen sein.


Kleinteile aus Kunststoff erfuhren eine schonende Politur von Hand. Tipp zur Demontage: Zum Lösen der zentralen Schraube der Wählscheibe stecke man die Schäfte zweier 1,5 mm Spiralbohrer in ihre Löcher und nehme dann eine Flachzange, um die Schraube zu entfernen. Dabei ist die Lochscheibe in der Mittelstellung festzuhalten. Befindet sich die Lochscheibe an einem Anschlag, käme es zur Beschädigung der empfindlichen Zahnräder des Nummernschalters.


Der Hörer ist für die Politur der sichtbaren Teile ebenfalls vollständig zu zerlegen. Eine Reinigung empfiehlt sich zudem aus hygienischen Gründen. Zum Einsatz kam Zahnprothesenreiniger für die Kunststoffteile.


Mit einem Schraubendreher lässt sich die Kontaktplatte des Telefonhörers ohne Kraftaufwand heraushebeln, um dann das Spiralkabel und die beiden innenliegenden Kabel zur Hörkapsel entfernen zu können.

Im nächsten Schritt kam wieder das bewährte Chromglanz der Marke Autosol zur Entfaltung. Da mir das Polieren von Hand mit einem alten Socken zu mühsam wurde, entschloss ich mich für eine kleine Polierscheibe, die ich auf die Ständerbohrmaschine spannte. Die Polierscheibe muss sauber sein und darf nicht vorher für das Polieren von Metall zum Einsatz gekommen sein. Mit der kleinen Polierscheibe kam ich auch gut in die Rundungen hinein.

War ich mit einigen Stellen noch nicht zufrieden, wurde gezielt mit Schleifpapier nachgearbeitet und dann wieder poliert, bis das Ergebnis zufriedenstellend war.

Anschließend kam wieder Autolackreiniger (Cleaner) für den sich angenehm anfühlenden Hochglanz zu Einsatz. Diese Arbeit erfolgte mit Toilettenpapier von Hand. Der Zeitaufwand für die Oberflächenbearbeitung eines Telefons liegt bei etwa 1 bis 3 Stunden je nach Zustand und den eigenen Ansprüchen. Nicht eingerechnet ist die Demontage und der Zusammenbau. Auf jeden Fall bereitet das sichtbare Ergebnis Freude und ein Gefühl der Zufriedenheit. Für die historischen Geräte ist es eine wertsteigernde Verjüngungskur bei geringer Entlohnung.

Metallpolitur als Nebeneffekt: Nach der Politur kann der mit Chromglanz vollgesogene alte Wollsocken für die Politur von Messing und anderen Metalloberflächen zum Einsatz kommen. Dabei verfärbt sich er schwarz und landet danach wahrscheinlich in der Mülltonne.


Die Hör- und Sprechkapsel erhalten durch ein wenig Chromglanz strahlenden Glanz und sind gleichzeitig in Verbindung mit Bremsenreiniger desinfiziert.


Die beiden Glocken aus Messing sind mit Chromglanz im Handumdrehen poliert. Die Glocken sind leicht oval. Durch ein Verdrehen lässt sich die Lautstärke des Weckers einstellen. Je enger der Spalt für den Klöppel ist, desto lauter klingelt das Telefon.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. Oktober 2019 um 19:50 Uhr
 

3. Februar 2017

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