Reinigung von elektrischen Kabeln Drucken E-Mail
Sonntag, den 20. Oktober 2019 um 06:32 Uhr

Reinigung von elektrischen Kabeln

Zur Restaurierung von historischen Geräten gehört auch die Reinigung ihrer Anschlusskabel. Allerdings stellt die Reinigung ein Sicherheitsrisiko dar oder die Kabel sind anschließend defekt. Was geht und was geht nicht?

Netzanschlusskabel: Die meisten modernen Netzanschlusskabel sind mit PVC ummantelt. Ausnahmsweise darf hier für die Reinigung mit einem Lappen Brennspiritus zum Einsatz kommen, das ansonsten die üblicherweise aus ABS oder Polystyrol bestehenden Kunststoffgehäuse angreift.

Telefonkabel und Spiralkabel: Die dreckigen Spiralkabel mit einer Kunststoffisolation (fast immer PVC) werden in einem Stoffbeutel fest verschlossen. Dann kommt dieser Beutel zusammen mit der anderen Wäsche in die Waschmaschine bei maximal 60 °C. Die heiße Waschlauge und die ständige Reibung sorgen für ein blitzsauberes Ergebnis. Eventuell eindringende Feuchtigkeit in das Kabel ist bei diesen Anwendungen (Telefon, Niederspannung, niedrige Frequenzen) kein Problem. Die Stecker sind spätestens nach ein paar Stunden wieder trocken. Diese Methode habe ich selbst ausprobiert und wird auch in mindestens einem Telefon-Forum empfohlen.
 

Spiralkabel lassen sich ohne Mühe in der Waschmaschine reinigen.
 
Netzanschlusskabel, HF-Kabel (z.B. Antennenkabel, Sat-Kabel, LAN-Kabel) und Kabel mit empfindlichen Steckern und Buchsen gehören nicht in die Waschmaschine! Bitte vorher genau überlegen, was passieren könnte. Bei Netzkabeln besteht bei fehlender Trocknung die Gefahr eines elektrischen Schlages.
 
Farbreste entfernen: An machen Kabeln hängen noch Farbreste durch Malerarbeiten. Meistens handelt es sich um Wand- oder Deckenfarbe. Im Malergeschäften gibt es Reinigungsflüssigkeiten für die intensive Oberflächenreinigung. Das Mittel, das bei mir zum Einsatz kam, bestand aus einer wässrigen Lösung von 5% Kaliumhydroxid. Zusätzlich waren noch anionische und ionische Tenside enthalten. Im Prinzip handelt es sich um Kalilauge mit etwas Spüli. Die Reinigungsflüssigkeit ist ungefähr 1:10 zu verdünnen und kommt in ein Kunststoffbecher, in der die betroffene Stelle des Kabels hängt. Nach ein paar Stunden Einwirkung lässt sich die Farbe mit einem Papiertuch abrubbeln.
 

Ein Stück Telefonanschlusskabel hängt in einer Lösung aus Kalilauge, um Farbreste zu entfernen.
 
Natronlauge ginge auch. Kalilauge und Natronlauge greifen Glas an, das matt wird. Aluminium (genauer genommen die Oxidschicht) wird ebenfalls angegriffen. Farben und Lacke werden ebenso angegriffen. Deshalb kommen diese Laugen für das Abbeizen zum Einsatz. Edelstahl und die meisten Kunststoffe greifen diese Laugen nicht an. Gummihandschuhe und Schutzbrille sind obligatorisch. Abbflussreiniger besteht größtenteils aus Natriumhydroxid, also Natronlauge. Damit müsste es auch gehen. Vorsicht. Auch hier Schutzbrille verwenden, da das staubende Pulver Augenreizungen hervorruft.
 
 
Matte Kabel: Manche PVC-Kabel sind im Laufe der Zeit matt geworden. Nach dem Einreiben von Möbelpolitur erscheinen sie etwas glänzender, weil das Wachs die Poren verschließt. Wunder sollte man aber nicht erwarten. Farblose Schuhcreme liefert auch ganz gute Ergebnisse.
 
Stecker: Sie können insbesondere bei der Maschinenwäsche problematisch sein, da sich in ihnen große Mengen Wasser ansammeln kann, wenn sie nicht vergossen sind. Deshalb sollten Stecker nach Möglichkeit aufgeschraubt werden.
 

In Steckern können sich nach der Maschinenwäsche große Mengen Wasser ansammeln, weshalb sie zu öffnen sind.
 
Anmerkungen zur elektrischen Sicherheit: Bei Natron- und Kalilauge würde ich die gecrimten Stecker und Enden nicht eintauchen, was auch nicht notwendig ist.
 
Bei der Maschinenwäsche sind die Kabel nur relativ kurz der Waschlauge ausgesetzt und danach spült die Waschmaschine ja reichlich mit klarem Wasser. Die geringen Mengen Feuchtigkeit, die durch die Kapillarwirkung in das Kabel eindringen, beeinflussen die Funktion eines modernen Kabels mit Kunststoffisolation für Telefonanwendungen nicht. Anders sieht es bei Koaxialkabel für HF-Anwendungen aus, weil durch die Feuchtigkeit mit zunehmender Frequenz die dielektrischen Verluste stark ansteigen und sich der Wellenwiderstand zudem verändert. Ein Sat-Kabel wäre dann defekt. Und früher sind die Telefonkabel deshalb "abgesoffen", weil sie eine Isolation aus Papier hatten.
 

Für die Maschinenwäsche der Kabel sind diese in einem gut verknotetem Stoffbeutel unterzubringen.
 

Nicht zur Nachahmung empfohlen: Netzkabel kommen blitzsauber aus der Maschine. Hier ist Vorsicht geboten, da sich große Mengen Wasser in den Steckergehäusen ansammeln können. Besonders gefährdert sind Vielfachsteckdosen, weshalb davon abzuraten ist, da das  Trocknen auf der Heizung Tage oder Wochen dauern kann. Also bitte nicht nachmachen und wenn, dann nur auf eigene Gefahr.
 
Die Waschlauge für die Wäsche ist relativ mild und darf Metalle nicht angreifen, da Kleidung Reißverschlüsse, Nieten und Druckknöpfe aus Metall besitzen kann. Übrigens sollen Smartphones schon einen Vollwaschgang überlebt haben. Die Kabel kommen bei einer Drehzahl von 900 Umdrehungen/Minute trocken aus der Maschine.
 
Historische Kabel: Alte Kabel mit einer Isolation aus Textilien oder brüchigem und rissigem Gummi überleben eine Behandlung mit Wasser mit Sicherheit nicht. Abgsehen davon sind sie elektrisch meistens nicht mehr sicher. Sind es Netzkabel, gehören sie ausgetauscht. Neue Kabel lassen sich optisch als historisch erscheinen lassen. Dazu stülpt man das Gewebe eines Schnürsenkels über das Kabel.
 
Feutchtigkeitsprobleme bei Telefonen: Andauernde Feuchtigkeit ist in Telefonen tatsächlich ein Problem. Und zwar im Hörer und besonders dort, wo sich die Sprechkapsel befindet, die der feuchten Atemluft ausgesetzt ist. Befinden sich dort Schraub- oder Steckverbindungen, sind sie oft Ursache von Wackelkontakten durch Korrosion, was sich durch Schwankungen der Lautstärke bemerkbar macht. Oder es knistert beim Ziehen am Spiralkabel. Nicht immer ist das Kohlemikrofon die eigentliche Ursache.
 
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 30. Oktober 2019 um 21:31 Uhr
 

3. Februar 2017

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