| Warum selber bauen? |
|
|
| Mittwoch, den 07. Dezember 2011 um 10:01 Uhr |
Warum Elektronik und Radios selber bauen, restaurieren und reparieren? Wie fing es bei mir wieder mit dem Selbstbauen an?Selbstbau in der Elektronik macht nicht nur Spaß und bereitet Freude. Nebenbei lernt man auch etwas dazu. Es lohnt sich auch in anderer Hinsicht. Wir erhalten dadurch Geräte, die genau unseren Vorstellungen entsprechen und meistens viel langlebiger und haltbarer sind als industriell hergestellte Produkte. Zudem können wir diese Geräte selbst reparieren und gegebenenfalls verbessern. Wir bestimmen selbst den Zeitaufwand. Die Geräte müssen nur uns gefallen, weil wir sie nicht verkaufen müssen. An selbst gebauten Geräten hat der Erbauer die größte Freude. Das Genannte gilt auch für Geräte, die wir selbst repariert und restauriert haben. Wann lohnt sich denn der Selbstbau schon? Selbstverständlich lohnt sich der Selbstbau nicht immer. Oft geht es mit Hobbymitteln auch nicht. Niemand käme ernsthaft auf die Idee ein Smartphone selbst herzustellen. Aber wir können ein zuverlässiges Ladegerät für ein Smartphone bauen oder eine Aktivbox, die sich an das Smartphone anschließen lässt und gleichzeitig die Akkus im Smartphone auflädt. Dann hätten wir aus einem alten Smartphone, das vielleicht sonst auf den Müll gelandete wäre, einen MP3-Player und ein Web-Radio mit WLAN-Zugang geschaffen. Viele Zusatz-Produkte gibt es nicht oder nicht mehr zu kaufen oder sind von zweifelhafter Qualität.
Links zum Aktivboxprojekt: Design: Das Design selbst gebauter Geräte kann nicht das Erscheinungsbild industriell gefertigter Produkte erreichen. Das soll es auch nicht. Oft sehen die gekauften Geräte einfach nur schick aus. Hingegen brechen die Bedienelemente schon beim scharfen Hinsehen ab. Die Benutzerführung ist umständlich. Die Gehäuse sind nicht bruchsicher. Ersatzteile sind weder zu beschaffen noch austauschbar. Selbstbaugeräte hingegen sind stabil und sehr bedienerfreundlich, da sie genau nach unseren Vorstellungen entworfen sind. Je nach Modeströmung ist das industrielle Design bedenklich. Ein Zeit lang gab es nur Uhren zu kaufen, deren Zeiger sich kaum von den Ziffernblättern abhebten, denn die Zeiger waren verchromt und die Ziffernblätter weiß. Dann waren wieder Geräte Mode, deren Bedienelemente nach Möglichkeit unsichtbar sein sollten. Wer denkt sich so etwas aus, kann man sich da fragen? Immerhin habe ich ein Autoradio bekommen, das einen richtigen Lautstärkeeinsteller zum Drehen hat. Aber die Oberfläche musste verchromt sein, wodurch man man mit den Fingern abrutschte. Mit einem Gummiring war das Problem gelöst. Eine Zeit lang gab es Notebooks in hochglänzenden Gehäusen, auf denen jeder Fingerabdruck zu sehen war. Und der Bildschirm war natürlich nicht entspiegelt. So sehen manchmal Glanzleistungen modernen Designs aus. Dabei kann Design, wenn es durchdacht ist, unser Leben verschönern und vereinfachen.
Wie wurde ich überzeugter Selbstbauer? Zum einen hatte ich schon immer meinen eigenen Kopf und wollte etwas haben, was seine Funktion erfüllt. An einem unpraktischen Design, welches mehr Schein als Sein verspricht, hatte ich nie Freude gehabt und es war mir eher peinlich. Zum anderen macht es mir Freude aus Dingen, die andere weggeworfen haben, nützliche Geräte herzustellen. Und dann habe selbstverständlich viel Freude an selbst gebauten Geräten und am Reparieren und Restaurieren. Eine gekaufte Aktivbox war der Auslöser: Vor etwa zehn Jahren kaufte ich in einem Computerfachgeschäft zwei Aktivboxen für meinen PC. Die Freude währte nicht lange. Der Netztrafo brummte hörbar, nach ein paar Monaten fingen der Lautstärkereinsteller an zu krachen. Zudem war er klein und versenkt, was die Bedienung zur Fummelei machte. Der Lautsprecher schepperte im Gehäuse und der Klang war schlecht. Der NF-Verstärker bestand aus ganzen drei Transistoren. Das Netzteil war minimalistisch mit einem Elko und vier Billigdioden als Brückengleichrichter aufgebaut. Der Netztrafo wurde wegen seiner Widerstandswicklung recht warm. Dadurch hoffte man auf die Schmelzsicherung verzichten zu können. Vertrauenserweckend war die elektrische Sicherheit jedenfalls nicht.
Nach einem Jahr hatte ich genug von dieser Aktivbox und ich entschloss mich mit meinen bescheidenen Werkzeugen eine selbst herzustellen. Diese Box läuft nun seit über 10 Jahren absolut zuverlässig. Der Klang ist wunderbar, wenn man einen externe Lautsprecherbox anschließt. Und das Ganze hat praktisch nichts gekostet. Zudem ist diese Aktivbox störfest, so dass sie durch meine eigene Amateurfunk-Aussendungen nicht gestört werden kann. Zwar höre ich nur Mono, aber das reicht mir für die Hintergrundmusik und für Skype. Sebstbau lohnt sich also und bereitet Freude. Was kostete dieser Selbstbau unter Verwendung von Elektronikschrott? Vielleicht ein paar Euro, da fast alle Teile aus Elektronikschrott gewonnen wurden. Das Gehäuse besteht aus Holzabfällen. Das Netzkabel stammt von der gekauften Aktivbox her. Alle Kabel, der Lautsprecher, der Netztrafo, das Potenziometer und fast alle Kondensatoren stammen aus Elektronikschrott. Wie groß war der Zeitaufwand? Für dieses kleine Projekt etwas mehr als 5 Stunden. In der Zeit hätte ich auch den Garantieschein suchen können, in die Stadt fahren können, einen Parkplatz suchen können, mit Verkäufern verhandeln können und so weiter, um im Tausch wieder ein mangelhaftes Gerät zu erhalten.
Ich habe keine Zeit zum Basteln: Warum haben aber dann die meisten Menschen so viel Zeit für das Fernsehen und/oder für Videospiele? Können wir uns noch an die letzen 20 Stunden vor dem Fernseher oder beim Videospiel erinnern? Ein paar spannende Videos und TV-Dokus, die zum Nachdenken, zum Selbstbau und zum Reparieren anregen sollen:
|
| Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 24. Dezember 2011 um 22:40 Uhr |