Unsere Reise zum Längstwellensender Grimeton

12. September 2026

Vor fast auf den Tag genau bin ich vor 20 Jahren nach Schweden ausgewandert. Dieser Tage habe ich es als Funkamateur endlich geschafft zusammen mit meiner besseren Hälfte den berühmten Längstwellensender Grimeton in der Nähe von Varberg an der Westküste Schwedens zu besuchen, nach 20 Jahren im Land wurde es ja auch mal Zeit. Ich möchte erst einmal meine persönlichen Eindrücke festhalten, bevor sie verblassen, auf die Technik komme ich zu einem späteren Zeitpunkt.

Der Besuch hat sich gelohnt, und auch die vierstündige Anreise Richtung Süden mit dem Wohnmobil war es wert. Wir haben uns dafür allerdings mehrere Tage Zeit gelassen und ein paar Zwischenstopps eingelegt, unter anderem im Industriemuseum Gislaved, wo es eine Abteilung mit alten Radioapparaten aus den 1920er Jahren gibt, wie man sie nur noch selten zu sehen bekommt. Darüber werde ich bei Gelegenheit separat berichten.

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Industriemuseum in Gislaved
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Im Industriemuseum
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Radioabteilung

Anfang September neigt sich die Urlaubssaison dem Ende zu, und streckenweise war auf den Landstraßen so gut wie kein Verkehr, was für einen Wohnmobilfahrer natürlich das Paradies ist.

Ganz in der Nähe von Grimeton liegt übrigens Ullared mit Schwedens größtem Einkaufszentrum, in dem man sich regelmäßig verläuft. Es gibt dort sogar einen riesigen Parkplatz für Wohnmobile, offenbar hat man dort auf uns Karawanen aus Konsumwilligen eingestellt.

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Der riesige Wohnmobilstellplatz in Ullared für kaufwillige Wohnmobilfahrer

Wir schauten kurz vorbei, fest entschlossen, nichts einzukaufen. Wie das ausgegangen ist, könnt ihr euch denken, disziplinlos wie wir sind.

Etwa 15 km vor Grimeton haben wir auf einem einsamen Waldparkplatz übernachtet, entsprechend fröstelig fiel die Nacht aus. In der Nacht ist uns dann auch noch das Gas ausgegangen, bei Nachttemperaturen von um die 10 Grad merkt man ziemlich schnell, wie sehr man es zum Heizen braucht, und wie wenig romantisch Frieren im Wohnmobil eigentlich ist.

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Buchenwald in der Nähe von Grimeton
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Seenlandschaft und Naturschutzgebiet in der Nähe von Grimeton

Nach dieser regnerischen und kühlen Nacht sind wir dann direkt zum Weltkulturerbe weitergefahren, in der stillen Hoffnung, dass wenigstens die Sendemasten uns nicht im Stich lassen würden.

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Wohnmobilstellstellplatz direkt am Längstwellensender Grimeton

Die Öffnungszeiten liegen zwischen 10 und 15 Uhr ( aktuelle Infos unter https://grimeton.org/en/ ). Pünktlich um 10 Uhr waren wir da, Parkplätze für Wohnmobile gab es reichlich. Wir stellten uns neben das Wohnmobil eines niederländischen Funkamateurs, der dort bereits seine Antenne aufgebaut hatte, Funkamateure erkennen sich eben auch am Parkverhalten. Anfangs waren kaum Leute vor Ort, dann kam ein Bus mit einer schwedischen Reisegruppe an, offenbar Rentner. Zum Glück stärkte sich die Gruppe erst einmal im Restaurant, sodass wir das Besucherzentrum und die eigentliche Senderhalle ganz für uns allein genießen konnten, ein seltener Luxus, den man mit flexiblem Zeitplan durchaus zu schätzen weiß.

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Besucherzentrum Grimeton
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Die alte Senderhalle von Grimeton
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Der Maschinensender, das Herzstück des Senders
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Transduktoren für die Modulation der Morsezeichen
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In der Senderhalle
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Teil der Sendeanlage
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Einspeisung in die Antenne für Längstwelle

Für eine elektronische Führung kann man sich Kopfhörer aufsetzen, darauf habe ich aber verzichtet, die Informationstafeln waren mir lieber, ich lese eben doch lieber selbst, als mir etwas vorlesen zu lassen. Neben dem eigentlichen Längstwellensender waren auch etliche Kurzwellensender ausgestellt, über die man ebenfalls einiges erfahren konnte. Danach ging es direkt zu einem der großen Sendemasten, und genau dort kamen wir mit dem niederländischen Funkamateur ins Gespräch, schließlich bin ich ja selbst Funkamateur, und zwei Funkamateure, die aufeinandertreffen, finden erfahrungsgemäß immer ein Thema. Er durfte dann sogar mit meinem Wählscheibentelefon aus unserem Wohnmobil telefonieren, was er sehr witzig fand, die Verbindungsqualität war übrigens besser als über Amateurfunk, auch wenn man das natürlich nicht vergleichen sollte, das sage ich nur, damit mir hier keiner die Funktechnik madig macht.

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Das Restaurant des Besucherzentrums

Um 12 Uhr gab es Mittagessen im Restaurant, das uns gut schmeckte. Anschließend ging es weiter in den Badeort und die Touristenstadt Varberg. Dort konnten wir gleich auch unsere leere Gasflasche wieder auffüllen lassen, was nach der frostigen Nacht eine echte Erleichterung war.  Danach unternahmen wir noch eine recht anstrengende Wanderung direkt an der felsigen Küste. Gegen Abend suchten wir uns einen Stellplatz, doch keiner gefiel uns wirklich. Immerhin fanden wir eine Stelle, an der wir Trinkwasser tanken und die fast volle Toilette entleeren konnten, auch das gehört zum Wohnmobilleben dazu, so unromantisch es klingt. Danach beschlossen wir, die 15 Minuten zurück nach Grimeton zu fahren.

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Die zerklüftete Westküste Schwedens bei Varberg, ein Vogelschutzgebiet

Dort darf man gegen eine Gebühr von 100 Kronen (etwa 10 Euro), online zu bezahlen, mit dem Wohnmobil übernachten. Entsorgungsmöglichkeiten oder Strom gibt es dort allerdings nicht. Wir waren aber gut gerüstet und verbrachten eine ruhige Nacht mit direktem Blick auf die sechs Antennenmasten des Längstwellensenders, fast ganz allein, nur 50 Meter weiter stand noch ein weiteres Wohnmobil. Am nächsten Morgen kam pünktlich um 10 Uhr wieder ein großer Reisebus mit einer schwedischen Reisegruppe an, die Rentner scheinen einen sehr zuverlässigen Fahrplan zu haben.

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Straßenzeile mit vielen Flohmärkten und Gebrauchtwarenläden in Limmared.

Anschließend fuhren wir gemütlich wieder nach Hause. Die Fahrt durch die endlosen Wälder verlief ereignislos. Leider waren auf dem Rückweg die meisten touristischen Attraktionen bereits geschlossen, und zum Wandern war es uns inzwischen zu kalt geworden. Ein Zwischenstopp in Limmared entpuppte sich als kleine Enttäuschung, dort gibt es eine ganze Straßenzeile mit Flohmärkten und Gebrauchtwarenläden, in denen ich natürlich hoffte, noch das ein oder andere alte Radio oder Telefon aufzustöbern, die aber allesamt schon zu hatten. Dafür erlebten wir eine verschlafene Kleinstadt, in der die Zeit irgendwann in den 1980er Jahren stehen geblieben zu sein scheint, fast ein bisschen wie eine zweite, kleinere Zeitreise nach der zu Grimeton.