Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut?

16. September 2026

Warum funktioniert diese primitive UKW-Zimmerantenne erstaunlich gut? Ein zufälliger Behelfsaufbau schlägt Halbwellendipol und Faltdipol.

Bei mir steht im Keller ein Luxor Applåd. Der UKW-Empfang ist erstaunlich gut mit einer Antenne, auf die ich eher zufällig gekommen bin. Sie ist am 240-Ohm-UKW-Antenneneingang des Radios angeschlossen. An der einen Buchse hängt ein etwa 1,5 Meter langer Draht, der hinter dem Regal und der Ziegelwand nach unten geführt ist – vermutlich wirkt er irgendwie als Gegengewicht. An der anderen Buchse hängt ein Draht, der hinter der Rückwand des Radios zu einer Schleife gebogen ist. Interessanterweise lässt sich der Empfang optimieren, wenn man die Form der Schleife etwas verändert.

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Ein wild gebogener Draht sorgt für erstaunlich guten UKW-Empfang im Keller.

Die Antenne ist über den gesamten UKW-Bereich erstaunlich empfindlich und ermöglicht bei vielen Sendern einen praktisch rauschfreien Empfang, dabei handelt es sich eigentlich um eine ziemlich ungewöhnliche und alles andere als lehrbuchmäßige Konstruktion. Versuche mit einem klassischen Halbwellendipol oder auch mit einem Faltdipol haben bei mir deutlich schlechtere Ergebnisse geliefert. Daher meine Frage in die Runde: Warum funktioniert diese einfache Konstruktion so erstaunlich gut? Welche Rolle spielen dabei der 1,5-m-Draht, die Schleife hinter dem Radio und möglicherweise die Umgebung mit Regal und Ziegelwand? Und warum scheint sich die Antenne durch geringfügiges Verbiegen der Schleife so gut abstimmen zu lassen?

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Das alte schwedische Röhrenradio aus den 1950er Jahren leistet immer noch hervorragende Dienste.

Bei dem Gerät handelt es sich um einen Luxor Applåd 3891W aus dem Jahr 1958. Das kompakte schwedische Tischradio verfügt neben Lang-, Mittel- und Kurzwelle bereits über einen vollständigen UKW-Bereich von etwa 87 bis 108 MHz. Bemerkenswert ist der damals moderne UKW-Tuner mit einer ECC85 und einer Telefunken-UKW-Tunereinheit mit Variometer-Abstimmung. Mit insgesamt sechs Röhren war der Applåd für seine Zeit technisch recht aufwendig ausgestattet und dürfte auch deshalb einen ausgesprochen guten UKW-Empfang ermöglichen.

Eine Erklärung mit KI-Unterstützung: Auf eine Rückmeldung hin, dass eine Behelfsantenne an einem bestimmten Ort durchaus besser abschneiden kann als ein gut abgestimmter, aber nicht exakt zum Sender ausgerichteter Faltdipol, hatte ich das vorab schon mit einer KI diskutiert. Die zusammengefasste Erklärung lautete: Die Antenne funktioniert vermutlich deshalb so gut, weil sie den eigentlich für symmetrische Speisung ausgelegten 240-Ohm-Eingang bewusst unsymmetrisch anregt und dadurch das gesamte leitfähige Umfeld zur Mitstrahlung anregt. An der einen Klemme hängt mit dem 1,5 Meter langen Draht ein Element, das bei UKW-Wellenlängen von 2,8 bis 3,4 Metern nahe der Halbwellenresonanz liegt und damit selbst schon recht wirksam ist. An der anderen Klemme sitzt die zur Schleife gebogene Litze, deren isolierte, nur verdrillte Enden einen kleinen kapazitiven Nebenschluss bilden, der zusammen mit der Schleifenform die effektive elektrische Länge und Reaktanz dieses zweiten Einzeldrahts bestimmt – weshalb sich schon durch leichtes Verbiegen die Abstimmung spürbar verschieben lässt. Weil beide Seiten unterschiedliche, unsymmetrische Gebilde sind, fließen zwangsläufig Gleichtaktströme über Chassis, Verkabelung und vermutlich auch über die Ziegelwand ab. Das dahinterstehende Metallregal dürfte dabei kapazitiv mitkoppeln und die effektive Strahlerfläche zusätzlich vergrößern, während die Holzdecke darüber kaum eigene leitfähige Struktur beisteuert. In Summe entsteht so ein breitbandiges, vielresonantes Gebilde, das über das ganze UKW-Band verteilt einigermaßen gleichmäßig Signal einsammelt, was einem sauberen, aber schmalbandigen und richtwirkungsbehafteten Dipol an diesem Standort unterlegen bleibt. Dass der Empfang dabei subjektiv rauschfrei wirkt, liegt zusätzlich an der ECC85-Vorstufe des Geräts und am Capture-Effekt der Frequenzmodulation, der oberhalb einer gewissen Schwelle Fehlanpassungen ohnehin hörbar verschwinden lässt.

Ob diese Erklärung in allen Punkten richtig ist, sei dahingestellt, aber sie klingt plausibel. Meine Lehre daraus: Bevor man lange theoretische Überlegungen anstellt, einfach machen und ausprobieren. Dabei kommt es nicht auf das optimale Ergebnis an, sondern auf ein brauchbares. Wenn die gewünschten UKW-Stationen stabil und rauschfrei ohne Störungen zu empfangen sind, ist das Ziel für mich jedenfalls erreicht.

Mehr dazu im Forum unter https://www.wumpus-gollum-forum.de/forum/thread.php?board=58&thread=52.