UKW-Rahmenantenne aus Pappe, Klebeband und Draht hinter einem Regal versteckt

16. September 2026

Was mir beim Bau einer einfachen UKW-Rahmenantenne aus Pappe, Draht und Klebeband alles schiefgelaufen ist – und warum am Ende trotzdem acht Sender sauber ankamen.

Manchmal fängt ein Bastelprojekt mit einer albernen Frage an: Kriege ich eine UKW-Antenne hinter einem Regal versteckt, ohne dass es beim Staubwischen auffällt? Bei mir war das Regal von einem bekannten schwedischen Möbelhaus, 60 x 105 cm – und genau diese Maße haben mich auf eine Idee gebracht, die zu gut klang, um sie nicht auszuprobieren.

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Meine Bastelrahmenantenne verschwindet im normalen Betrieb hinter dem Regal, auf dem das alte UKW-Röhrenradio steht. Guter Empfang trotz ungünstiger Lage im Keller.

Die Idee: Ein Regal als Antennenbausatz: Der Umfang der Regal-Rückwand beträgt 2 × (60 + 105) = 330 cm. Und 330 cm entsprechen, rein zufällig, ziemlich genau einer Wellenlänge im UKW-Band (λ = c/f ≈ 3 m bei 100 MHz). Eine Schleifenantenne mit rund einer Wellenlänge Umfang ist ziemlich resonant und bringt typischerweise 150–250 Ω Fußpunktwiderstand mit – passend zu den alten symmetrischen 240-Ω-Antennenbuchsen europäischer Röhrenradios. Also: Pappe auf 60 x 105 cm zugeschnitten, 7 m Draht verlegt (3,3 m Schleife, Rest Zuleitung), an einer langen Seite mittig aufgetrennt, zwei Bananenstecker dran, alles mit Klebeband fixiert – fertig war der hässlichste, aber unauffälligste Antennenbau meines Lebens. Schön muss sie ja nicht sein, sie soll ja hinterm Regal verschwinden.

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Altes schwedisches UKW-Radio mit Röhren. Hinter dem Regal versteckt sich passgenau die Rahmenantenne.

Ernüchterung an der Bananenbuchse: Erster Test: mieser Empfang, kaum besser als die eingebaute Zimmerantenne. Nachmessen mit dem NanoVNA zeigte die Ursache – Resonanz bei 120 MHz statt der berechneten ~96–100 MHz. Der Übeltäter war nicht die Schleife, sondern die 130 cm lange, eng verdrillte Zuleitung. Bei 100 MHz ist so eine Länge elektrisch nicht mehr vernachlässigbar, und eng verdrillte, PVC-isolierte Adern haben einen niedrigen Verkürzungsfaktor, weil das Feld überwiegend durchs Plastik statt durch Luft läuft. Diese Kombination aus Länge und Verkürzungsfaktor macht aus jeder Zuleitung eine ganz normale Transformationsleitung nach Lehrbuch – sie zeigt am Stecker etwas völlig anderes an, als tatsächlich am Speisepunkt der Schleife anliegt. Die Antenne war vermutlich die ganze Zeit in Ordnung – ich hatte mir mit der Zuleitung selbst ein Bein gestellt.

Die Lösung: die beiden Adern nicht mehr verdrillen, sondern lose und getrennt verlegen. Ergebnis: spürbar besserer Empfang, keine Wunderantenne, aber richtig brauchbar. Ohne Verdrillung steigt der Verkürzungsfaktor Richtung 0,85, und dabei entsprechen 130 cm ziemlich genau einer halben Wellenlänge bei 98 MHz. Eine Leitung mit exakt λ/2 elektrischer Länge reicht die Lastimpedanz unverändert durch, egal welchen Wellenwiderstand sie selbst hat – sie transformiert nicht, sie ist elektrisch quasi unsichtbar. Die 130 cm waren also kein genialer Entwurf, sondern ein Zufallstreffer, den die Physik hinterher bereitwillig erklärt hat.

Nachgerechnet mit Simulation: Auf Nachfrage zu den genauen Widerstandswerten habe ich die Eingangsimpedanz für die beiden möglichen Einspeisepunkte per NEC-Simulation nachgerechnet, mit Unterstützung einer KI, die im Hintergrund ein Python-Programm mit einer NEC-HF-Simulation laufen lässt – bequem, aber die Ergebnisse sollte man gegenprüfen. Bei 96 MHz ergeben sich demnach etwa 63 Ω bei Einspeisung in der Mitte der kurzen Seite und rund 200 Ω bei Einspeisung in der Mitte der langen Seite. Die Einspeisung an der langen Seite ist damit für eine 240-Ω-Zweidrahtleitung die deutlich plausiblere Variante. Interessant ist auch die Abhängigkeit vom Seitenverhältnis: Bei konstantem Umfang von 3,30 m steigt die Impedanz mit zunehmender Streckung des Rechtecks an – bei 90 × 75 cm auf etwa 147 Ω, bei 105 × 60 cm auf etwa 200 Ω und bei 120 × 45 cm schon auf etwa 254 Ω. Das geht in Richtung des Grenzfalls eines Faltdipols.

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Von Claude.ai erstellte Tabelle für die Antennenkonstruktion auf Grund einer Simulation

Beim Thema Verdrillung musste ich mir eingestehen, dass ich die elektromagnetische Kopplung der beiden Adern zunächst unterschätzt hatte. Auch eine verdrillte Zweidrahtleitung besitzt einen definierten Wellenwiderstand, der von Leiterdurchmesser, Abstand und Isolation abhängt – ein bekanntes Beispiel dafür ist CAT-5-Netzwerkkabel mit seinem differentiellen Wellenwiderstand von rund 100 Ω. Beim eigenen improvisierten Draht kannte ich diesen Wert natürlich nicht, es ist also gut möglich, dass die Leitung selbst erheblichen Einfluss auf das Antennenverhalten hatte.

Beim 4:1-Balun bin ich inzwischen vorsichtig geworden: Ein alter Balun aus einem Fernseher, ursprünglich für UHF ausgelegt, muss bei 100 MHz keineswegs mehr das vorgesehene Übersetzungsverhältnis oder eine ausreichende Gleichtaktdämpfung liefern. Für Messungen mit dem NanoVNA halte ich deshalb eine einfache Gleichtaktsperre direkt am Übergang von der symmetrischen Antenne zum Koax für die sauberere Lösung – etwa einige Windungen Koax als Luftspule, ohne absichtliche Impedanztransformation.

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NanoVNA mit einer Mantelwellensperre aus RG58 Koaxkabel.

Praxistest im Keller: Wie gut die Antenne in der Praxis tatsächlich taugt, zeigt sich am besten im Alltag. Die UKW-Senderdichte auf dem schwedischen Land ist nicht besonders hoch. Mit der Rahmenantenne hinter dem Regal und dem Röhrenradio empfange ich acht Sender einwandfrei, stabil auch beim Herumlaufen im Zimmer. Mit einem Taschenempfänger samt ausgezogener Stabantenne in der Hand sind es nur sieben Sender, ein Stockwerk höher wären 8 oder 9 möglich. Der Selbstbau hat sich für mich also gelohnt.

Bandleitung selbst gemacht: Wenn man keine fertige Bandleitung mehr bekommt, lässt sich eine improvisierte 150-Ω-Bandleitung aus zwei 75-Ω-Koaxkabeln bauen. Beide werden mit Klebeband parallel verlegt, die Abschirmungen an beiden Enden verlötet, und die beiden Seelen bilden dann die Bandleitung. Gegenüber den idealen 240 Ω bedeutet das eine Fehlanpassung mit einem SWR von 1,6, was einer vernachlässigbaren Leistungsminderung von rund 5 % entspricht. Mit 50-Ω-Koaxkabel käme man entsprechend auf einen Wellenwiderstand von 2 × 50 = 100 Ω.

Wilde Kabel, sauberer Empfang: Bei einer weiteren Messreihe mit zwei einzelnen, weder verdrillten noch parallel geführten Litzen sprang das SWR wild zwischen 1:1,6 und fast unendlich, im Smith-Diagramm lagen die Werte frequenzabhängig meist bei 15 bis 30 Ω – schwer zu deuten. Und doch war der Empfang über das gesamte UKW-Band einwandfrei, sogar besser als mit einem Taschenradio samt ausgezogener Stabantenne in der Hand. Die Erklärung dafür: Alles, was sich an Leitungstheorie berechnen lässt – Verkürzungsfaktor, Halbwellen-Effekt, feste Leitungsimpedanz – setzt voraus, dass die beiden Adern eine wohldefinierte Zweidrahtleitung mit einigermaßen konstantem Abstand bilden. Sobald die beiden Leiter kreuz und quer, mal nah, mal weit auseinander verlegt sind, gibt es kein sauberes Z0 mehr, und jeder Draht wird für sich genommen ein bisschen zur eigenen kleinen Antenne, die mit der Schleife koppelt. Das erklärt die unruhigen Messkurven, ändert aber nichts an der eigentlichen Pointe: Beim reinen Empfang ist die Impedanzanpassung fast egal, entscheidend ist, überhaupt eine resonante, freistehende Antenne zu haben statt einer stark verkürzten.

Mit einer Bandleitung aus verlötetem 75-Ω-Koax und etwas Lautsprecherkabel bekam ich zwar deutlich glattere NanoVNA-Kurven, aber keine bessere Empfangsqualität – am besten funktionierte weiterhin die ursprüngliche, wild verlegte Variante. Das dürfte an den ungünstigen Bedingungen zwischen Regal und Ziegelwand im Keller liegen, dazu kommt das Blechdach, wie es bei Holzständerhäusern in Schweden üblich ist.

Der Balun aus dem Doppellochkern: Schließlich konnte ich noch einen Doppellochkern für UKW auftreiben und daraus einen 1:4-Balun wickeln – damit wurden die Messungen gleich viel brauchbarer. Am 200-Ω-Testwiderstand zeigte der NanoVNA 60 Ω statt der erwarteten 50 Ω, nicht perfekt, aber für einen selbstgewickelten Balun ordentlich. Die Rahmenantenne hinter dem Regal zeigte damit bei 88 MHz 128 Ω, bei 98 MHz 50 Ω und bei 108 MHz 18 Ω, SWR irgendwo zwischen 1:2,5 und 1:3, mit einer Zuleitung aus einem Meter Bandleitung aus zwei verlöteten 75-Ω-Koaxkabeln. Es macht wirklich Spaß, mit dem NanoVNA zu experimentieren. Für den praktischen Bau so einer behelfsmäßigen Innenraumantenne braucht man ihn aber eigentlich gar nicht. Viel aufschlussreicher war am Ende die Anzeige des Magischen Auges und ob die gewünschten Sender sauber ankommen. Ausgerechnet direkt hinter dem Regal war dabei nicht die beste Position – erst als ich die Antenne rund 20 cm nach links verschoben habe, kamen alle für mich wichtigen Sender wirklich gut rein.

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NanoVNA an einem selbt gewickelten 4:1 Balun.

Auf eine Nachfrage hin, ob sich der Doppellochkern durch eine einfache 2-Windungs-Spule ersetzen ließe, habe ich das durchgerechnet statt nachgebaut: Bei 2 Windungen auf 10 cm Durchmesser liegt der Sperrwiderstand bei rund 300 Ω, bei der tatsächlich verwendeten Drossel mit 8 Windungen auf 7 cm dagegen bei 2000 bis 2700 Ω – ein Unterschied von rund 16 dB Gleichtaktunterdrückung zugunsten der bestehenden Lösung. Eine Messung mit der schwächeren Drossel hätte also absehbar unsaubere Ergebnisse geliefert, nicht durch einen Fehler an Antenne oder Zuleitung, sondern schlicht durch die geringere Sperrwirkung selbst.

Fazit: Pappe, ein paar Meter Draht, Klebeband, zwei Bananenstecker – kein Speziallötkolben, keine Vorkenntnisse nötig, nur Lust am Probieren mit dem NanoVNA (oder notfalls einfach am Radio). Schön ist die Antenne nicht, muss sie auch nicht sein – sie verschwindet ja hinterm Regal. Nachbau ausdrücklich erwünscht.

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