Ein altes Kofferradio erhält Bluetooth

21. September 2026

Wer im Wohnmobil unterwegs ist und abends noch einen Podcast hören möchte, greift meist zum Smartphone-Lautsprecher, dünn und leise, oder zum Autoradio, das die Starterbatterie leerzieht und die Nachbarn auf dem Campingplatz mit Bässen stört. Ein umgebautes Kofferradio aus den siebziger Jahren zeigt, dass es auch anders geht.

Ausgangspunkt des Projekts war ein Blaupunkt Diva, ein Kofferradio aus den 1970er Jahren, das ursprünglich mit zwei 4,5-Volt-Flachbatterien lief. Genau in diesem alten Batteriefach fand die neue Elektronik Platz, ohne dass am Gehäuse etwas verändert werden musste. Ein LM317T erzeugt dort aus der 12-Volt-Bordnetzspannung des Wohnmobils die ursprünglich benötigten 9 Volt für das Radio. Aus diesen 9 Volt wiederum macht ein 5-Volt-Festspannungsregler die Versorgung für das eigentliche Bluetooth-Modul.

Blaupunkt Diva Kofferradio
Blaupunkt Diva Kofferradio
Blaupunkt Diva Rückseite Umbau Bluetooth
Nach dem Umbau. Ganz links das Bluetoothmodul. In der weißen Dose die Spannungsstabilisierung, die aus aus 12 bis 15 Volt stabile 9 Volt erzeugt. Klebeband, Schaumstoff und Pappe hält alles zusammen.

Das Modul selbst basiert auf dem TDA5168A, einem Baustein mit integriertem Class-D-Verstärker. Damit dessen Schaltausgänge nicht als Pfeifen oder Rauschen im Klangbild landen, bekam jeder der beiden Kanäle einen kleinen Tiefpassfilter aus 20 Mikrohenry und 220 Nanofarad spendiert. Da das alte Radio ohnehin nur einen Tonbandeingang für ein Signal vorsieht, wurden linker und rechter Kanal anschließend über zwei 10-Kiloohm-Widerstände zu einem Mono-Signal zusammengeführt und über einen einzelnen 100-Nanofarad-Koppelkondensator in den TA-Eingang eingespeist. Ein anfängliches Pfeifen ließ sich erst durch zusätzliche Masseverbindungen beseitigen, die im Versuch gefunden werden mussten, eine allgemeingültige Regel gibt es dafür nicht, ausprobieren war hier der einzige Weg.

LM317T 12V zu 9V Platine
Ein LM317T und ein paar Bauteile erzeugen 9 Volt für das Radio.
Skizze LM317T 9 Volt aus 12 Volt
Handskizze für die Spannungsstabilisierung laut Anregungen aus dem Datenblatt des LM317.

Das Ergebnis überzeugt vor allem beim gesprochenen Wort. Für Podcasts und Nachrichten klingt das umgebaute Kofferradio völlig ausreichend, bei Musik bleibt der Genuss dagegen eher mäßig. Das liegt allerdings nicht am Bluetooth-Modul selbst. Schließt man dort testweise einen Kopfhörer an, klingt der Ton einwandfrei, die Ursache liegt also am kleinen Lautsprecher und der einfachen Elektronik des alten Radios. Der Stromverbrauch der gesamten Schaltung liegt unter 100 Milliampere, ein Wert, mit dem sich auch an ruhigen Stellplätzen ohne Landstrom problemlos leben lässt.

5Volt Festspannungsregler
Erzeugung der 5 Volt für das Bluetoothmodul aus 9 Volt.
TDA5168A mit Ausgangstiefpass
Bluetoothmodul TDA5168A mit Tiefpassfilder. Siehe Text.
Tiefpass nach Audioausgang Bluetooth Modul
Handskizze Tiefpassfilter für den Audioausgang des Bluetoothmodul.

Am Ende steht ein gelungener Umbau. Für alle, die im Wohnmobil bei Zimmerlautstärke einen Podcast hören möchten, ohne den Generator laufen zu lassen oder die Nachbarn zu stören, ist das alte Kofferradio eine praktische Lösung. Ein normales Autoradio dagegen eignet sich für den Campingplatz kaum, seine Bässe tragen zu weit, und wer es zu oft ohne laufenden Motor betreibt, riskiert eine leere Starterbatterie, und damit im schlimmsten Fall ein Wohnmobil, das sich gar nicht mehr starten lässt.

Ubuntu Laptop plus Kofferradio Bluetooth
Alter Laptop mit Ubuntu Mate 24.04 im Wohnmobil nutzt das umgebaute Kofferradio als Bluetooth-Lautsprecher, der über das 12-Volt-Bordnetz betrieben werden kann.

Auch ein älterer Ubuntu-Laptop kann das Kofferradio nutzen: Nachdem das Kofferradio bereits problemlos mit einem Smartphone über Bluetooth verbunden werden konnte, wollte ich auch einen älteren Laptop als Zuspieler verwenden. Der Laptop ist ein etwa zehn Jahre altes Dell Latitude mit Ubuntu MATE 24.04.

Die Verbindung stellte sich zunächst allerdings etwas widerspenstig an. Ubuntu erkannte das Bluetooth-Modul des Radios zwar als HW-BT, beim Verbindungsversuch erschien jedoch die Fehlermeldung:

„BR Connection Profile unavailable“

Mit Hilfe von ChatGPT ließ sich die Ursache Schritt für Schritt finden. Zunächst zeigte sich, dass Ubuntu mit PulseAudio 16.1 arbeitete, aber das für Bluetooth-Audio benötigte Paket `pulseaudio-module-bluetooth` nicht installiert war.

Die Installation erfolgte einfach mit:

sudo apt install pulseaudio-module-bluetooth

Anschließend wurde das Bluetooth-Modul für PulseAudio geladen:

pactl load-module module-bluetooth-discover

Das allein reichte aber noch nicht. Das Radio war zwar bereits gekoppelt, aber noch nicht verbunden. Mit

bluetoothctl devices

ließ sich die Bluetooth-Adresse des Radios feststellen. In meinem Fall war es:

61:21:61:1A:C8:FF HW-BT

Die eigentliche Verbindung wurde dann über das Terminal hergestellt:

bluetoothctl connect 61:21:61:1A:C8:FF

Daraufhin meldete Ubuntu:

Connection successful

und PulseAudio erkannte das Radio anschließend als zusätzliche Soundkarte:

0 alsa_card.pci-0000_00_1b.0
1 bluez_card.61_21_61_1A_C8_FF

Damit war die Sache erledigt. Das Kofferradio erscheint nun für Ubuntu als Bluetooth-Audiogerät und kann als Lautsprecher für den Laptop verwendet werden.

Das ist besonders praktisch für Filme: Der ältere Laptop kann beispielsweise einen Film oder ein Video abspielen, während der Ton drahtlos über Bluetooth zum umgebauten Kofferradio übertragen wird. Die Lautstärke reicht dabei problemlos aus, um einen Film in angenehmer Zimmerlautstärke zu betrachten.

Damit hat das alte Kofferradio noch eine weitere Verwendung bekommen: Es dient nicht nur als Bluetooth-Lautsprecher für das Smartphone, sondern kann auch den Ton eines Linux-Laptops wiedergeben. Gerade bei einem älteren Notebook mit schwachen eingebauten Lautsprechern ist das eine erstaunlich praktische Lösung.

Diskussion: https://www.wumpus-gollum-forum.de/forum/thread.php?board=58&thread=485