Altes Röhrenradio mit Bluetooth aufrüsten: Netzteil und Tiefpass auf einer Platine

12. Oktober 2026

Ein Bluetooth-Empfänger macht aus einem alten Röhrenradio einen Lautsprecher für Musik aus dem Internet. Dafür braucht der Empfänger 5 Volt Gleichspannung, und die lassen sich aus der 6,3-Volt-Wechselspannung der Röhrenheizung gewinnen. Ich zeige hier zwei kleine Schaltungen auf einer Platine: ein Netzteil mit Spannungsregler und einen einfachen Tiefpass für den Tonweg. Die Leiterplatte habe ich mit KiCad erzeugt und stelle eine Vorlage für das Toner-Transfer-Verfahren als PDF bereit, damit man für den Nachbau kein KiCad installieren muss.

Im Inneren eines Röhrenradios gibt es lebensgefährliche Spannungen! Vor allen Arbeiten den Netzstecker ziehen und auf geladene Kondensatoren achten. Nur wer sich damit auskennt, sollte ein solches Gerät öffnen!

Wie man einen Bluetooth-Empfänger in ein altes Radio einbaut, habe ich schon in mehreren Artikeln beschrieben. Die Grundlagen stehen hier: Ein altes Kofferradio erhält Bluetooth, Einbau eines Bluetooth-Empfängers in ein altes Röhrenradio Baujahr 1951 und Alte Röhrenradios mit Bluetooth-Modul TD5168A aufrüsten. Das muss ich hier nicht wiederholen. In diesem Artikel geht es um die beiden Schaltungen, die ich dafür zusammengestellt habe, und um die Platine.

Die Stromversorgung aus der Heizspannung: Ein Röhrenradio hat mit der Heizwicklung für die Röhren eine Wechselspannung von 6,3 Volt, die für unseren Zweck bestens geeignet ist. Der Bluetooth-Empfänger braucht aber 5 Volt Gleichspannung. Die Schaltung ist ganz einfach aufgebaut: Die Diode D2 (1N4007) richtet die Wechselspannung gleich, es handelt sich also um eine Einweggleichrichtung. Eine Brückenschaltung geht hier nicht, weil im Radio einer der beiden Pole der Heizspannung auf Masse liegt. Der Spitzenwert der 6,3 Volt liegt bei etwa 8,9 Volt, nach der Diode bleiben gut 8 Volt übrig. Das reicht dem Spannungsregler LM78L05 als Eingangsspannung. Mit dem Elko C5 (100 µF) und dem Kondensator C1 (22 nF) wird die Spannung vor dem Regler geglättet. Der Kondensator C4 (22 nF) liegt parallel zur Gleichrichterdiode und dient dem Entbrummen, damit es keine Störungen auf den AM-Bändern gibt. Am Ausgang sitzen noch C2 (22 nF) und der Elko C3 (100 µF). Die zweite Diode D1 (ebenfalls 1N4007) liegt parallel zum Regler und ist zur Sicherheit da: Beim Abschalten kann die Ausgangsspannung kurzzeitig höher sein als die Eingangsspannung, weil sich der Ausgangselko langsamer entlädt. Dann fließt der Strom über D1 ab, und der Regler wird nicht belastet.

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Diese Schaltung gewinnt aus der Heizspannung des Röhrenradios die 5 Volt Gleichspannung für das Bluetoothmodul.

Dabei muss man Folgendes beachten: Der LM78L05 liefert maximal 100 Milliampere. Der Bluetooth-Empfänger muss also mit weniger Strom auskommen. Bei den kleinen Modulen ist das in der Regel kein Problem, aber man sollte es vorher nachmessen. Die Elkos sollten für mindestens 16 Volt ausgelegt sein, und man muss auf die Polung achten. Außerdem ist die Heizwicklung des Radios natürlich kein unerschöpflicher Stromspender. Die zusätzliche Belastung ist gering, aber man sollte sie nicht vergessen.

Der Tiefpass für den Tonweg: Die zweite Schaltung sitzt zwischen dem Bluetooth-Empfänger und dem Tonabnehmereingang des Radios. Pro Kanal gibt es einen Widerstand von 100 Ohm am Eingang, der als definierte Last am Ausgang des Moduls dient. Danach folgt eine Spule mit 22 µH und ein Kondensator mit 220 nF gegen Masse. Das bildet den Tiefpass. 22 µH und 220 nF ergeben rechnerisch eine Grenzfrequenz von rund 72 kHz. Damit sollen die Oberwellen des Klasse-D-Verstärkers im Bluetooth-Empfänger unterdrückt werden. Unbedingt notwendig ist das nicht, aber es kann Interferenzen verhindern, gerade in einem Radio, das ja Rundfunkbänder empfängt. Einfach ausprobieren. Danach folgen ein Widerstand mit 10 kOhm und ein Koppelkondensator mit 100 nF, der Gleichspannung vom Radioeingang fernhält. Auch diesen Wert sollte man ausprobieren. Wenn die Bässe nicht richtig durchkommen, ist der Kondensator vielleicht zu klein. Das hängt vom Eingangswiderstand des Radios ab: Bei 100 kOhm liegt die untere Grenzfrequenz rechnerisch bei etwa 14 Hz, bei einem niederohmigeren Eingang entsprechend höher. In dem Fall hilft ein größerer Kondensator, zum Beispiel 470 nF oder 1 µF. Bei einem alten Radio mit kleinem Lautsprecher ist das aber wohl eher eine theoretische Frage. Auch hier handelt es sich um eine Hobbylösung, die ich mit Bauteilen aus der Bastelkiste zusammengestellt habe und die man bei Bedarf anpassen kann.

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Das Bluetoothmodul hat einen Klasse-D-Ausgang. Deshalb ist ein Tiefpass unter Umständen sinnvoll. Außerdem müssen die beiden Stereokanäle zu einem Mono-Kanal zusammengeführt werden, was dem Tonabnehmereingang zugeführt wird.

Stereo oder Mono: Ein altes Röhrenradio hat nur einen Lautsprecher und nur einen Tonkanal. Der 1-MOhm-Widerstand zwischen den beiden Kanälen wird deshalb nicht bestückt oder durch eine Drahtbrücke ersetzt, wenn man die beiden Stereokanäle zu einem Monokanal zusammenführen möchte. Dann arbeiten die beiden 10-kOhm-Widerstände als Mischwiderstände. So gehen nicht einfach Teile des Stereosignals verloren, wenn nur ein Kanal angeschlossen wird.

Die Leiterplatte: Beide Schaltungen habe ich mit KiCad auf einer einseitigen Leiterplatte untergebracht. Für den einfachen Nachbau gibt es die Vorlage für das Toner-Transfer-Verfahren als PDF zum Herunterladen.

Platinenlayout_Bluetooth_for_tube_radios_Toner_Transfer

Die Vorlage ist schon spiegelverkehrt, was man an den Schriftzügen sieht.

Nachfolgend das PDF nur mit dem Layout der Stromversorgung:

Layout_6,3VAC_5VDC

KiCad-Layout-Datei in einer Zip:

Bluettooth_5Volt_NF-Filter.kicad_pcb

Man muss also kein KiCad installieren, sondern druckt die Vorlage einfach mit dem Laserdrucker aus. Wie das mit dem Toner-Transfer genau funktioniert und was dabei zu beachten ist, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben. Die Vorlage ist bereits so aufbereitet, dass die Spiegelung stimmt. Wer die Platine lieber anders herstellen will, kann das natürlich auch tun.

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Blick auf die Bestückungsseite. Blau die Kupferseite. Das Platinenmaterial muss man sich durchsichtig vorstellen.
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Spiegelverkehrte Darstellung der Kupferseite.
Bluettooth 5Volt NF Filter
3D-Animation von KiCad erleichtert die Bestückung.

Der Einbau ins Radio: Die fertige Platine befestige ich zusammen mit dem Bluetooth-Empfänger auf einer Kunststoffplatte, und diese schraube ich an die Rückwand des Radios. Es muss Kunststoff sein und kein Metall, denn der Bluetooth-Empfänger hat eine Antenne, und die braucht freie Sicht. Eine Metallplatte würde den Empfang abschirmen. Auch im Radio sollte der Empfänger möglichst nicht hinter großen Metallteilen sitzen. Das ist eine Frage des Ausprobierens, weil jedes Radio anders aufgebaut ist. Die Verbindung zur Heizspannung, zur Masse und zum Tonabnehmereingang erfolgt mit kurzen Leitungen. Dabei sollte man die Leitungen mit der Wechselspannung nicht dicht neben die Tonleitungen legen, sonst brummt es.

Leiterplatte Bestueckungsseite
Die Wirklichkeit sieht nicht so aufgeräumt aus. Die fertig bestückte Platine

Fazit: Mit wenigen Bauteilen aus der Bastelkiste lässt sich ein altes Röhrenradio für Bluetooth aufrüsten, ohne dass man ein zusätzliches Netzteil braucht. Das Radio selbst bleibt dabei unverändert, und man kann den Einbau jederzeit wieder rückgängig machen. Genau das gefällt mir an dieser Lösung.